Einführende Kurzinformation der KünstlerKolonie zu:

Über die Bewohner der Künstlerkolonie Berlin

Fotos im Fotobalken mit freundlicher Genehmigung durch den Ullstein-Verlag und andere (Ausstellung 1989/90: "Die Künstlerkolonie stellt sich vor" in der "Kommunalen Galerie" Wilmersdorf und anderweitig)
Texte mit freundlicher Genehmigung durch den Autor


Viele prominente Künstler und Intellektuelle waren unter den Bewohnern, fast alle standen politisch links bis radikaldemokratisch, viele versuchten verzweifelt, eine Einigung der hoffnungslos zersplitterten, verfeindeten Linken in Deutschland herbeizuführen. Viele waren jüdischer Abstammung. Als jüdische Linksintellektuelle zählten sie zu den ersten Opfern der Nazis. Die meisten der bekannten Intellektuellen stehen für aufgeklärtes Denken, das in der Schlußphase der Weimarer Republik nur auf der Linken eine politische Heimat finden konnte. Sie setzten sich damit zwischen alle Stühle und wurden auch nach 1945 in Ost und West mißtrauisch bis ablehnend betrachtet. Die Künstlerkolonie war nach Hitlers Machtergreifung die letzte linke Bastion in Berlin, es wehten aber nicht nur die roten, sondern auch die schwarz-rot-goldenen Fahnen aus den Fenstern. Am 15. März 1933 fand nach vielen kleineren Razzien eine Großrazzia statt: "Künstlerkolonie endlich ausgehoben", jubelte die Nazipresse: SA-Truppen stürmten die Wohnungen, stiegen mit Feuerwehrleitern in die Fenster ein, verbrannten Bücher und Fahnen auf dem Platz. Schauspieler und Schriftsteller wurden verhaftet und auf einen Lastwagen gebracht. Dort mußten sie mit erhobener rechter Hand das Horst-Wessel-Lied singen, so wurden sie abtransportiert. Doch auch danach gab es hier noch Widerstand im Untergrund. Namen wie Alexander Graf Stenbock-Fermor (der "rote Graf"), Beppo Römer (Stabsoffizier, in der sogen. RAS) und mit ihm der Schauspieler Hans Meyer-Hanno (von der Gestapo 1943 auf der Bühne des Schillertheaters verhaftet, im April 1945 im Lager hinterrücks ermordet) stehen dafür.

Berühmte Bewohner (Liste) seit 1927, viele davon emigriert im März 1933 (und einige davon nach 1945 wieder zurückgekehrt) sind heute noch (oder überhaupt erst) wohlbekannt: Ernst Busch ("Barrikadentauber" 1900-1980); Ernst Bloch (1885 -1977), einer der bedeutendsten deutschen Philosophen; Johannes R. Becher (1891 - 1958), Lyriker, Kulturminister der DDR, Autor der DDR-Nationalhymne; Walter Hasenclever (1890 - 1940), Axel Eggebrecht (1899-1991), Erich Weinert, Mary Tucholsky (Kurt Tucholsky war hier amtlich gemeldet, die Wohnung von Mary wurde von den Nazis öfter durchsucht), Gustav Regler, Arthur Koestler, Martin Kessel, Schriftsteller, Lyriker, Romancier, Essayist, Theodor Balk, Alexander Graf Stenbock-Fermor ("Der Rote Graf"), Heinrich Kurella, Wolfgang Leonhard ("Die Revolution entläßt ihre Kinder"), Manès Sperber, Walter Zadek, Wilhelm Reich (Psychoanalytiker), Wolfgang Weyrauch, Peter Huchel, Kurt Kusenberg, Hedda Zinner, Fritz Erpenbeck, Oskar Palitzsch, Georg Hermann, August Scholtis, Dinah Nelken, Sebastian Haffner, Alfred Sohn-Rethel, Hermann Budzislawski, Siegfried Nestriepke (Gründer der Freien Volksbühne), Franz Cornelsen (Verlag), Heinrich Goertz, Rudolf Fernau, Albert Florath, Lil Dagover, Brigitte Helm (Stummfilm "Metropolis"), Henny Porten, Lizzy Waldmüller, Dorothea Wieck, Hans Leibelt, Hermine Körner, Aribert Wäscher, Hermann Valentin, Heinz Hilpert, Siegfried Wölffer, Slatan Dudow ("Kuhle Wampe"), Steffie Spira mit Ehemann Günther Ruschin, Hans Meyer-Hanno, Robert Seitz, Phil Jutzi, Erich Engel, Kurt Heynicke, Sally Bowles (Hauptfigur des Musicals "Cabaret"), Leonhard Steckel, Walter Süssenguth, Rotraud Richter, Ilse Trautschold, Carl-Heinz Schroth, Agnes Fink, Gustav Knuth, Matthias Wiemann, Carsta Löck, Alice Treff, Claus Holm, Eric Ode ("Der Alte"), Ernst Schröder, Klaus Kinski, George Tabori, Rudolf Nelson, Walter Kollo, Olaf Bienert, Max Kaus, Hans Orlowski, Emil Orlik, Fritz Duda, Paran G'schrey und sein Vater Ludwig G'schrey, Klaus Schütz (ehem. Reg. Bürgermeister von Berlin), Otto Suhr, Hans Bernhard Scharoun, Kat Kampmann, Eva Lissa, Sibilla Gilles, Klaus Miedel, Anita Kupsch (Fernsehserie "Praxis Bülowbogen"), Dietrich Lehmann (Gripstheater), Gerhard Meinke (Maler), David Yonan (Geiger), diese Liste ließe sich noch seitenlang weiterführen...

Hier finden Sie eine ausführlichere und alphabetische Liste (kleine Liste mit 141 Namen - mit Suchbalken) von ehemaligen (und heutigen) prominenten Bewohnern der Künstlerkolonie.
Hier finden Sie eine noch ausführlichere und alphabetische Liste (große Liste mit z.Zt. 269 Namen - mit Suchbalken) von ehemaligen (und heutigen) namhaften Bewohnern der Künstlerkolonie.

Berichte von der Gründung der Künstlerkolonie von 1926-32 finden Sie auf unserer aktuellen Seite (Gründung)
Berichte von der Verfolgung der Künstler und Schriftsteller und von der Großrazzia am 15. März 1933 finden Sie als Übersicht auf unserer aktuellen Seite (Verfolgung)

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