Geschichte der Künstlerkolonie Berlin

Geschichte der Künstlerkolonie Berlin

Viele Leute fragen sich was es mit der Künstlerkolonie Berlin eigentlich auf sich hat. In diesem Beitrag erklären wir basierend auf den ehemaligen Informationen dieser Website was die Künstlerkolonie ist, wie sie gegründet / erbaut wurde, wer sie bewohnt und welche Aktivitäten ausgeführt werden:

Zur Baugeschichte der Künstlerkolonie Berlin-Wilmersdorf

„1926 kaufte die “Berufsgenossenschaft deutscher Bühnenangehöriger” (75%) und der “Schutzverband deutscher Schriftsteller” (25%) das Areal von der Laubenheimer Straße bis zum Breitenbachplatz und gründeten die „Gemeinnützige Heimstätten m.b.H. Künstlerkolonie“ (heute GEHAG). Diese baute seit 1927 zunächst nur rund um den damaligen Laubenheimer Platz (heute Ludwig-Barnay-Platz) zwei Wohnblöcke bis zur Bonner Straße, 1928 einen dritten Block bis zum Barnayweg (seit 21.02.1940 durch das Naziregime umbenannt in „Steinrückweg“ nach dem Schauspieler Albert Steinrück, verstorben 1929), damals waren es etwa 1000 Bewohner.

Ludwig Barnay, der 1924 verstorbene Schauspieler und Direktor des Königlichen Schauspielhauses in Berlin war einer der Begründer der Bühnengenossenschaft (1870). Die Wohnblöcke der seither sogen. „Künstlerkolonie“ entstanden im Rahmen des Konzepts der “Rheinischen Siedlung”, das schon vor dem Ersten Weltkrieg entstanden und 1911-15 um den Rüdesheimer Platz herum realisiert worden war. Dieses stellte eine bewußte Alternative dar zur Blockbebauung (“Mietskasernen”). Zu erschwinglichen Preisen sollte eine “Gartenterrassenstadt” mit hoher Wohnqualität entstehen. Die Architekten waren Ernst und Günther Paulus. Es sollte vor allem gemeinschaftliches Wohnen gefördert werden. Auch die Gestaltung der Block-Innenhöfe (siehe Fotoausstellungen) sollte der Begegnung der Bewohner dienen. Das Areal der Künstlerkolonie ist begrenzt von der Laubenheimer Straße im Norden, dem Südwestkorso im Westen, der Kreuznacher Straße im Osten und dem Breitenbachplatz im Süden.

Nach 1932 sollte der vierte Block bis zum Breitenbachplatz gebaut werden, dieses hat das Naziregime unterbunden. Am 15. März 1933 wurde die Siedlung von SA-Truppen gestürmt, Bücher wurden auf dem Laubenheimer Platz verbrannt, kritische Schauspieler, Schriftsteller und jüdische Bewohner wurden verhaftet und abgeführt. Etwa zwei Drittel der Bewohner flohen ins Ausland.

Im Bauplan (1929) des vierten und letzten Blocks, der vom Barnayweg bis zum Breitenbachplatz) geplant war, war ein großer Lesesaal als Kommunikationszentrum vorgesehen. Dieser Bau wurde durch das Nazi-Regime verhindert. Eine solche Siedlung braucht jedoch einen Treffpunkt, einen Klubraum in der Siedlung. 1952 wurden vier neue Wohnblocks bis zum Breitenbachplatz gebaut, diese verfolgten jedoch nicht mehr den ursprünglichen Bauplan. Auf unseren Antrag hin ist die Siedlung 1990 unter Denkmalschutz gestellt worden. Heutiger Besitzer ist die Deutsche-Annington.

Die Künstlerkolonie hat 696 Wohnungen mit etwa 1.400 Bewohnern, laut „Wikipedia“ hat sie jedoch nur 300 Bewohner, was bedeuten würde, daß nur 0,4 Bewohner in einer Wohnung wohnen. Berichtigungen durch die KünstlerKolonie wurden in Wikipedia regelmäßig umgehend rückgängig gemacht, die KünstlerKolonie mit allen ehrenamtlichen Mitarbeitern wurde durch einen Administrator P_UdK (der seinen wirklichen Namen verbirgt) wegen „Vandalismus“ lebenslänglich gesperrt“

Über die Bewohner der Künstlerkolonie Berlin-Wilmersdorf

„Viele prominente Künstler und Intellektuelle waren unter den Bewohnern, fast alle standen politisch links bis radikaldemokratisch, viele versuchten verzweifelt, eine Einigung der hoffnungslos zersplitterten, verfeindeten Linken in Deutschland herbeizuführen. Viele waren jüdischer Abstammung. Als jüdische Linksintellektuelle zählten sie zu den ersten Opfern der Nazis. Die meisten der bekannten Intellektuellen stehen für aufgeklärtes Denken, das in der Schlußphase der Weimarer Republik nur auf der Linken eine politische Heimat finden konnte. In der Künstlerkoline ist dies gelungen:

Es wehten damals in der Künstlerkolonie nicht nur die roten (kommunistischen), sondern auch die schwarz-rot-goldenen (sozialdemokratischen) Fahnen friedlich nebeneinander aus der Fenstern. Damals stand die schwarz-rot-goldene Fahne für den sozialdemokratischen Widerstand gegen das Naziregime. Das alles war ungewöhnlich in den deutschlandweiten Kämpfen zwischen Kommunisten und Sozialdemokratie. So kamen Künstler und Interessierte aus Leipzig und Dresden und sonstwo her um dieses „Wunder“ zu bestaunen. Heute versuchen die Neonazis „schwarz-rot-gold“ für sich zu besetzen, die Nazifarben waren jedoch „schwarz-weiß-rot“. Die Neonazis – mit Stiefelschuhen, dumm, dick glatzköpfig und geistig behindert – wissen offenbar nicht, daß „schwarz-rot-gold“ auch heute noch für den Widerstand gegen Neonazis und für ein freiheitliches und demokratisches Deutschland stehen (siehe Hambacher Fest 1832) und ausdrücklich gegen sie selbst gerichtet ist. Liebe deutsche Landsleute, laßt Euch doch nicht ins Boxhorn jagen von diesem Etikettenmißbrauch der Neonazis. Liebe Fußballfans: nehmt die schwarz-rot-goldene Fahne in die Hand als Zeichen für Freiheit und Demokratie und gegen die Nazis von damals und heute!

Die politische Linke setzte sich damit zwischen alle Stühle und wurde auch noch nach 1945 in Ost und West mißtrauisch bis ablehnend betrachtet. Die Künstlerkolonie war jedoch auch noch nach Hitlers Machtergreifung die letzte linke Bastion in Berlin Am 15. März 1933 fand nach vielen kleineren Razzien eine Großrazzia statt: „Künstlerkolonie endlich ausgehoben“, jubelte die Nazipresse: SA-Truppen stürmten die Wohnungen, stiegen mit Feuerwehrleitern in die Fenster ein, verbrannten Bücher und Fahnen auf dem Platz. Schauspieler und Schriftsteller wurden verhaftet und auf einen Lastwagen gebracht. Dort mußten sie mit erhobener rechter Hand das Horst-Wessel-Lied singen, so wurden sie abtransportiert. Doch auch danach gab es hier noch Widerstand im Untergrund. Namen wie Alexander Graf Stenbock-Fermor (der „rote Graf“), Beppo Römer (Stabsoffizier, in der sogen. R.A.S) und mit ihnen der Schauspieler Hans Meyer-Hanno (von der Gestapo 1943 auf der Bühne des Schillertheaters verhaftet, im April 1945 im Lager hinterrücks ermordet) stehen dafür. Die Widerstandgruppe nannte „R.A.S“ (Revolutionäre Arbeiter und Soldaten), auch „Römergruppe“ genannt – demnächst an dieser Stelle mehr darüber.

Berühmte Bewohner (Liste) seit 1927, viele davon emigriert im März 1933 (und einige davon nach 1945 wieder zurückgekehrt) sind heute noch (oder überhaupt erst) wohlbekannt: Ernst Busch („Barrikadentauber“ 1900-1980); Ernst Bloch (1885 -1977), einer der bedeutendsten deutschen Philosophen; Johannes R. Becher (1891 – 1958), Lyriker, Kulturminister der DDR, Autor der DDR-Nationalhymne; Walter Hasenclever (1890 – 1940), Axel Eggebrecht (1899-1991), Erich Weinert, Mary Tucholsky (Kurt Tucholsky war hier amtlich gemeldet, die Wohnung von Mary wurde von den Nazis öfter durchsucht), Gustav Regler, Arthur Koestler, Martin Kessel, Schriftsteller, Lyriker, Romancier, Essayist, Theodor Balk, Alexander Graf Stenbock-Fermor („Der Rote Graf“), Heinrich Kurella, Wolfgang Leonhard („Die Revolution entläßt ihre Kinder“), Manès Sperber, Walter Zadek, Wilhelm Reich (Psychoanalytiker), Wolfgang Weyrauch, Peter Huchel, Kurt Kusenberg, Hedda Zinner, Fritz Erpenbeck, Oskar Palitzsch, Georg Hermann, August Scholtis, Dinah Nelken, Sebastian Haffner, Alfred Sohn-Rethel, Hermann Budzislawski, Siegfried Nestriepke (Gründer der Freien Volksbühne), Franz Cornelsen (Verlag), Heinrich Goertz, Rudolf Fernau, Albert Florath, Lil Dagover, Brigitte Helm (Stummfilm „Metropolis“), Henny Porten, Lizzy Waldmüller, Dorothea Wieck, Hans Leibelt, Hermine Körner, Aribert Wäscher, Hermann Valentin, Heinz Hilpert, Siegfried Wölffer, Slatan Dudow („Kuhle Wampe“), Steffie Spira mit Ehemann Günther Ruschin, Hans Meyer-Hanno, Robert Seitz, Phil Jutzi, Erich Engel, Kurt Heynicke, Sally Bowles (Hauptfigur des Musicals „Cabaret“), Leonhard Steckel, Walter Süssenguth, Rotraud Richter, Ilse Trautschold, Carl-Heinz Schroth, Agnes Fink, Gustav Knuth, Matthias Wiemann, Carsta Löck, Alice Treff, Claus Holm, Eric Ode („Der Alte“), Ernst Schröder, Klaus Kinski, George Tabori, Rudolf Nelson, Walter Kollo, Olaf Bienert, Max Kaus, Hans Orlowski, Emil Orlik, Fritz Duda, Paran G’schrey und sein Vater Ludwig G’schrey, Klaus Schütz (ehem. Reg. Bürgermeister von Berlin), Otto Suhr, Hans Bernhard Scharoun, Kat Kampmann, Eva Lissa, Sibilla Gilles, Klaus Miedel, Anita Kupsch (Fernsehserie „Praxis Bülowbogen“), Dietrich Lehmann (Gripstheater), Gerhard Meinke (Maler), David Yonan (Geiger), diese Liste ließe sich noch seitenlang weiterführen…“

Aktivitäten

Wolfgang Leonhard schrieb 1982: „Alles stand noch so wie damals in den Jahren 1931 und 1932. Aber enttäuscht, ja erschüttert, stellte ich fest: es gab nicht eine einzige Gedenktafel, nicht den kleinsten Hinweis darüber, daß hier viele der berühmtesten deutschen Künstler und Schriftsteller gelebt und gewirkt hatten…“; und Axel Eggebrecht hatte 1957 geschrieben: „Manche von denen, die damals verhaftet oder verschleppt wurden oder aus dem Lande weichen mußten, wohnen heute wieder rings um ihren alten Laubenheimer Platz. Viel zu wenige freilich sind es geworden, viel zu wenige. … Die Neuen und Jungen aber, die Wand an Wand mit diesen Veteranen hausen, kochen, sprechen, singen, dichten, zeichnen und von zukünftigen Erfolgen träumen, sie sollen wissen, daß die Birken auf dem Platz ein Stück Geschichte erlebt haben. Vielleicht haben sie den Namen KÜNSTLERKOLONIE bis heute für eine ungefähre und gleichgültige Bezeichnung gehalten. Er möge sie daran erinnern, daß hier einmal der Geist der wachen, streitbaren Freiheitsliebe sich behauptete, als es ringsum in der Stadt, weithin im Lande sich schon wehrlos aufgegeben hatte.“ (Benutzung der Texte mit freundlicher Genehmigung durch Prof. Wolfgang Leonhard und Axel Eggebrecht)
Die Jungen wollten diese Herausforderungen annehmen und wurden als „Künstlerkolonie-Initiative“ seit 1984 aktiv (Vorsitzender: Kurt Lutz).

Das 1. Sommerfest der KüKo 1985 war ein voller Erfolg: 20.000 Besucher strömten auf den Ludwig-Barnay-Platz. Die „Parkline-Galerie-Ludwig-Barnay“ wurde zum kulturellen und sozialen Mittelpunkt der Kolonie: Konzerte, Dichterlesungen, Ausstellungen, Tanzperformances, Filmvorführungen und vieles andere mehr wurde veranstaltet, die Angebotspalette der Galerie war reichhaltig und wurde rege angenommen. Dokumente über die Geschichte der KüKo wurden gesammelt und archiviert. Nach den großen Anstrengungen um das 2. Sommerfest 1986 (10.000 Besucher) wurde es jedoch still um die Initiative. Die Kräfte erlahmten, ein Verein wurde nicht gegründet.

Zur Vorbereitung eines dritten Festes 1988 und zur Gründung eines Vereins trafen sich am 13.12.1987 Bewohner und Interessierte. Die Satzung wurde überarbeitet, ein Vorstand wurde gewählt, der Verein wurde am 27.01.1988 unter 9295NZ beim Amtgericht Charlottenburg eingetragen, die steuerliche Gemeinnützigkeit wurde zuerkannt. Am 14.11.2007 feierte der Verein sein 20-jähriges Bestehen.

Seit 1988 fanden wieder jährliche Künstlerfeste statt. 9 Gedenktafeln und ein „Stolperstein“ für Hans Meyer-Hanno sind inzwischen angebracht, ein Findling als „Mahnmal für die politisch Verfolgten der Künstlerkolonie“ steht auf dem Ludwig-Barnay-Platz. Die Hauptziele des Vereins sind die Dokumentation der Geschichte und Gegenwart, der Personen und ihrer Werke, Vermittlung von Künstlern und kulturelle Aktivität im Bezirk in Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen (Bezirksamt), Verlagen, Musikgruppen, Theatergruppen und Künstlern mit Ausstellungen, Lesungen, Konzerten usw., Nachbarschaftshilfe, Erhaltung der Siedlung als Ganzes. Der Verein hat 1989-90 eine große dokumentarische Ausstellung zusammengestellt, die in der Kommunalen Galerie in Wilmersdorf und in der Fotogalerie in Friedrichshain lange zu sehen war, hat Fotoausstellungen und Kunstausstellungen vermittelt, die in der Künstlerkolonie wohnten oder heute noch hier wohnen, ebenso Auktionen veranstaltet (z.B. „Künstler für Kurdistan“ u.a.), hat in Zusammenarbeit mit „OPERA piccola“, Theatergruppen, „Zeitgenössiche Kammermusik“, Verlagen und Künstlern Veranstaltungen aller Art geboten: Theater-, Opern-, Konzert- und Kabarettaufführungen, Jazz, Gemälde- und Foto-Ausstellungen, Lesungen, Gedenkveranstaltungen usw. meist im Wilmersdorfer „Coupé-Teater“, Veranstalter: Fachbereich Kultur im Bezirksamt Wilmersdorf, Hohenzollerndamm 177 (Eingang Brienner Straße, U-Bhf Fehrbelliner Platz) in 10713 Berlin-Wilmersdorf (Busse 101, 104, 115, 204) und auch in anderen Bezirken Berlins (z.B. Steglitz, Charlottenburg, Friedrichshain), regelmäßig treffen sich hier die Berliner Liedermacher, ein “Wilmersdorfer Künstlerstammtisch” mit Programmeinlagen findet an jedem letzten Mittwoch eines Monats statt. Der Verein gibt vereinzelt Dokumentationen heraus (“KünstlerKolonieKurier”).

Der sehr beliebte und gut besuchte „Wilmersdorfer Künstlerstammtisch“ findet allmonatlich statt an jedem letzten Mittwoch eines Monats (im „Teatercoupé“). Die Mitgliederzahl beträgt z.Zt. etwa 60. Ein Archiv ist eingerichtet und besitzt bereits viele wichtige Dokumente, Bücher, Fotos, Bildarchiv, Nachlässe von Erben usw., es füllt sich stetig weiter auf.

Eine große Dokumentation als „Stadtteil-Lesebuch“ ist in Arbeit. Die Mitgliederzahl des Vereins beträgt z.Z. etwa 60. Mitglied kann jeder werden, der die Ziele des Vereins unterstützt. Mitarbeiter sind gesucht nach dem Motto: “Wer eintritt und Mitgliedsbeitrag zahlt, darf kostenlos arbeiten”….

Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Spenden sind steuerlich absetzbar.

Der Verein ist Mitglied der INM (Initiative Neue Musik Berlin), des Landesmusikrates und Mitglied im Plenum des Rates für die Künste (Berlin)

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