Walter Zadek, Journalist, Fotograf
ehem. Bewohner der Künstlerkolonie Berlin

Walter Zadek Schriftsteller, Journalist, Redakteur, Pressefotograf, Buchhändler, Antiquar, Verleger und Herausgeber, Mitglied im P.E.N.-Zentrum BRD, P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland
Foto: letztes Paßfoto von Walter Zadek 1991, im Privatarchiv,
mit freundlicher Genehmigung durch Walter Zadek



Walter Zadek, am 26.3.1900 als Sohn des bekannten Arztes Dr. Ignaz Zadek an der Dresdener Straße in Berlin Kreuzberg geboren (er ist übrigens der Onkel des Regisseurs Peter Zadek), lernte er hautnah das Kreuzberger Proletarierleben kennen. Walter Zadek: »Mein Vater nahm mich gelegentlich zu Hausbesuchen in Arbeiterwohnungen mit.« »Die Abitursprüfung 1918 habe ich nur bestanden, weil der Kaiser Soldaten brauchte. In Mathe war ich nämlich eine Null.« Aus dem Luisenstädtischen Realgymnasium wäre er fast rausgeflogen, weil er die jährlichen Feiern zu Kaisers Geburtstag nicht würdigte. »Die Schüler mußten den Kaiser im Chor hochleben lassen. Ich habe statt dessen Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber gerufen«, schmunzelt Zadek. 1918 ging er nach München, später zurück nach Berlin. Aus wirtschaftlichen Gründen brach er sein Studium ab und begann in der Kurfürstenbuchhandlung zu arbeiten. Bereits nach kurzer Zeit wurde er dort Geschäftsführer. In den 20er Jahren wurde er mit Musterexemplaren nach Prag geschickt, um harte Devisen für das Geschäft zu besorgen. »Irgendwann schmiß ich alles hin«, erzählt Walter Zadek.

»Auf der Heimfahrt lernte ich im Zug einen Mann kennen: Hermann Ullstein. Er kannte meine Buchkritiken.« Im Ullsteinverlag wurde er Hilfsredakteur - anfangs unter Kurt Tucholsky - (Zadek nennt das schmunzelnd "Sitzredakteur", da er notfalls eben auch riskierte, für Tucholskys Texte verantwortlich zu sein und verhört zu werden, eben auch sitzen zu müssen Anm.d.R.), und mit 25 Jahren Redakteur und verantwortlicher Redakteur des Magazins "Der Uhu". Nach der sechsten Ausgabe wurde er entlassen, später aber als verantwortlicher Redakteur des ersten Beiblatts des "Berliner Tageblatts", der führenden demokratischen Tageszeitung unter Theodor Wolff eingestellt. »Diese Seite erfreute sich großer Beliebtheit. Im Beiblatt gab es jeweils ein Schwerpunktthema. Da schrieben Albert Einstein, Johannes R. Becher oder Heinrich Mann für mich.« Als einer der höchstbezahlten Redakteure mußte er auf dem Gipfel der Wirtschaftskrise entlassen werden und gründete 1930 einen eigenen Artikeldienst, die "Zentralredaktion für deutsche Zeitungen" (ZdZ), eine Art Nachrichtenagentur, mit der er bald über 80 Zeitungen belieferte, am Laubenheimer Platz (heute Ludwig-Barnay-Platz) in der Künstlerkolonie, wo er seit 1930 auch wohnte.

Am 15. März 1933 wurde er dort von den Nazis in einer Großrazzia herausgeschlagen. Walter Zadek wird zum Polizeigefängnis am Alexanderplatz geschafft, schließlich ins Festungsgefängnis nach Spandau. Auf wundersame Weise kommt schon im April 1933 ohne irgendwelche Ausweispapiere illegal wieder frei, kann fliehen und gelangt über Holland, Belgien, schließlich im Dezember 1933 durch Unterstützung von Freunden in das damalige britische Mandatsland Palästina, wo er bis zu seinem Tode am 20.12.1992 wohnte (seine Frau wohnt noch heute dort). Dort suchte er sich durch drei Berufe gleichzeitig durchzubringen: als Buchhändler, als Journalist und als Pressefotograf.

Nach Kriegsende veröffentlichte Zadek Beiträge in Blättern der Bundesrepublik, gab das Taschenbuch "Sie flohen vor dem Hakenkreuz" bei Rowohlt heraus und einen sozialkritischen Palästina-Fotoband. Häufig erschienen Interviews mit ihm in deutschen Sendern sowie Lebensberichte im Fernsehen. 91jährig nahm er die beschwerliche Reise nach Berlin auf anläßlich der Kreuzberger Veranstaltung "Ein Zeitzeuge von 90 rastlosen Jahren, Walter Zadek - Ein Querkopf besucht Berlin". Am 9.11.1991 gab er Holger Münzer ein ausführliches Interview, das im KünstlerKolonieKurier Nr. 4 (1995/96) auszugsweise veröffentlicht wurde.

Werkauswahl: Buchkritik, Schicksalsberichte, Reportagen, Kulturpolitik; »Kein Utopia« (1946), »Sie flohen vor dem Hakenkreuz, ein Lesebuch für Deutsche«, Schicksalsberichte und Lyrik (1981 und 1983) , Palästina-Fotoband 1986, »Die freigeistig-jüdischen Zadeks aus der Oranienstraße«, ein Familienbericht, Film: »Erinnerungen an Palästina«


Berichte über NS-Aktionen in der Künstlerkolonie 1932/33 und von der Großrazzia am 15. März 1933 finden Sie unter KüKo AKTUELL

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