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(...) Wir haben viel getan. Es wurde hier (beim Rundgang durch die Ausstellung "Die Künstlerkolonie Berlin" Anm. d. R.) schon gesprochen von der "Truppe 1931", die wir dann waren, die der Gustav von Wangenheim mitbegründet hat. Wir wollten mal was anderes machen als Agitprop. Als Schauspieler, die arbeitslos waren, wollten wir unsere eigene Situation spielen. Wir nannten das Stück "Mausefalle", Verfasser Heinrich Greif, und so wollten wir Mäuse einfangen. Das Stück fing so an: »Wir haben keine Kleider mehr doch Rock und Schuhe nach Maß...« - Die Frauen hatten Abendkleider an und die Männer Fräcke. Über die ganze Bühne hing ein Bildnis von Goethe, und darauf stand: »Höchstes Glück der Erdenkinder sei nur die Persönlichkeit.« Das ganze Spiel ging um den Angestellten Fleißig, den Mann, der alles tat, um ja nur ein normaler Bürger zu sein. Auf keinen Fall wollte er etwas mit den Arbeitern zu tun haben. Aber irgendwann merkte er, wohin er eigentlich gehörte.
Wir haben mit der "Mausefalle", die mit großen Schwierigkeiten auf die Bühne kam, einen großen Erfolg gehabt. Wir spielten im "Kleinen Theater" Unter den Linden. Es war eine tolle Leistung, die wir damals auf die Beine gestellt haben, als wir in der Künstlerkolonie wohnten. Wir hatten auch die Unterstützung von Gustav Regler und seiner Frau, der Tochter von Heinrich Vogeler.
Wir spielten hauptsächlich im "Kleinen Theater" Unter den Linden, das gehörte Herrn Treuger. Vorher spielten da Schnulzen. Endlich wurde das Theater literarisch und kam in die Presse. Wir brauchten darum nur wenig zu zahlen. Der Püßberg von IG-Farben, den wir mächtig angriffen in dem Stück, der saß mit seiner ganzen Kolonne in der ersten Reihe und wollte das mal sehen und amüsierte sich dabei, denn es war ja gescheit gemacht. - Ich wollte damit nur erzählen, wie wir waren und was wir gemacht haben. Und das haben dann mein Mann und ich in unserem ganzen Leben fortgesetzt. Und dann kam diese schreckliche Geschichte, daß an diesem 15. März 1933 diese Razzia war. Wir hatten schon ein bißchen bei meinen Eltern und bei Freunden geschlafen (aus Angst vor Entdeckung bzw. Verfolgung durch die Nazis, Anm. d. R.), aber wir wollten unbedingt auch mal wieder zu Hause sein. Wir kamen von einer großen Tournee, Danzig, Saarbrücken und waren dann in die Schweiz gefahren. Nun kamen wir nach Hause und wollten endlich zuhause sein. Morgens, ganz früh, es war vielleicht 6 Uhr, es war der 15. März, gerade wurde es hell, da brüllte es unten: »Fenster zu, Fenster zu!« Ich guckte runter und sah, da war der ganze Block umstellt von SA-Leuten. Das war nun wirklich nicht sehr schön. Ich wußte schon, das endet nicht gut, aber wir konnten garnichts mehr machen. Es klopfte gleich an die Tür, so ein Gebumse, und zu meiner großen Überraschung: ein SA-Mann davor und ein Polizist, was mich wunderte, und: »Rein, los, los! - Na, außer Büchern hab’n Sie wohl nichts? Na, das sind die Richtigen!« Wir hatten wirklich wenig Möbel, aber reichlich Bücher, und die schmissen sie gleich auf die Erde, und dann sahen sie unter’s Bett, und da lag unsere rote Fahne, und die war mit Hammer und Sichel. Da waren sie ganz glücklich, daß sie das gefunden hatten. »Naja, wir wissen ja, wer hier wohnt!« Und der SA-Mann griff meinen Mann und, ohne daß er noch etwas zu mir sagen konnte, seh’ ich ihn die Treppen runterrutschen. »Na los, steh auf!« - und dann kam der SA-Mann gleich wieder rauf und wollte Keller und Bodenkammer sehen. (...) Das ist mein Erlebnis mit der Künstlerkolonie.«
Das vollständige Interview finden Sie auf der Seite von Steffie Spira im Abschnitt Interview. |