Manès Sperber, Schriftsteller

(ehem. Bewohner der Künstlerkolonie Berlin)
Foto mit freundlicher Genehmigung durch das Manès-Sperber-Archiv

Sperber Manès Sperber, deutsch-französischer Schriftsteller und Essayist, (auch: Taras Achim, C. L. Chauverau, C. L. Chauvraux, L. C. Chauvraux, C. A. Chauvreau, Lean Clémant, Paul Halland, A. J. Haller, P. Haller, Paul Haller, Jan Heger, N. A. Menlos), geboren am 5. 12. 1905 in Ostgalizien (Zablotow am Pruth).

Die Familie Sperber floh vom Kriegsschauplatz 1916 nach Wien. Zionismus, Marxismus und Individualpsychologie prägten Sperbers Jugendjahre. Der soziale Zugang zur Psychologie durch Alfred Adler lieferte dem jungen Marxisten die Anregungen für die Berufswahl. 1927 übersiedelte Sperber nach Berlin in die dortige KünstlerKolonie, wo er der Kommunistischen Partei Deutschlands beitrat. Er lehrte in Berlin, wo er am 15. März 1933 mit Walter Zadek verhaftet wurde. 1933 kehrte er nach Wien zurück und emigrierte 1934 nach Frankreich.

Nach einer kurzfristigen Haft floh er 1933 vor dem Nazi-Regime über Jugoslawien und Frankreich in die Schweiz. Unter dem Eindruck der Schauprozesse in Moskau brach er 1937 mit der Kommunistischen Partei. Nach dem Zweiten Weltkrieg fungierte Sperber als kulturpolitischer Berater der französischen Regierung in Paris und arbeitete gleichzeitig beim Verlag Calmann-Lévy als Lektor. Da Sperber von Viktor Adler angehalten wurde, sich zwischen Psychologie und literarischem Schaffen zu entscheiden, entstanden seine nicht-wissenschaftlichen Texte relativ spät ("Der verbrannte Dornbusch", 1949). In seinen zumeist autobiographischen, essayistisch gehaltenen Schriften reflektierte er die großen Katastrophen dieses Jahrhunderts, aber stets mit dem Hinweis auf die Verbesserbarkeit des Individuums.

"Eine Trauer, so grenzenlos, daß das Leben einer Generation nicht ausreicht, sie auszuschöpfen. Ja, in meinem tiefsten Innern glaube ich, daß es während zwei oder drei Generationen für Juden meiner Art unwürdig bleiben wird, sich mit den Deutschen zu identifizieren." (Manès Sperber 1963)

"Im Gedenken an die Erniedrigten und Ermordeten, als deren untröstlicher Hinterbliebener ich mich bis an mein Lebensende empfinden werde, muß ich mich und Sie an diese nahe Vergangenheit, an diese unfaßbare, unauslöschliche Gewißheit erinnern." (Manès Sperber 1983)

Sperber schrieb Romane und politisch-literarische Essays, z.B. die Romantrilogie: »Wie eine Träne im Ozean« (1949-51, Gesamtausgabe 1961) u.a.m. Er lebte nach dem Krieg vorwiegend in Paris, wo er am 15. 2. 1984 starb.

Sein bedeutendstes Werk ist die 1971 erschienene biographisch-politsche Romantrilogie "Wie eine Träne im Ozean", die Chronik seines Lebens, seine unerbittliche Abrechnung mit Kommunismus (1937 Bruch mit der KP nach zehnjähriger Mitgliedschaft) und Totalitarismus. 1975 erhielt er den Georg-Büchner-Preis, 1984, ein Jahr vor seinem Tode in Paris, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

"Einer" - das war Manès Sperber. Fuchs veranschaulicht die Wirkung von Sperber im real existierenden Sozialismus der DDR, skizziert den geheimen und trickreichen Umgang mit ihm ("Manuskripte finden ihren Weg, Taschenbücher besonders ...") und verdeutlicht, was er mit "Einer hat mitgedacht - Ermutigung als Widerstand" gemeint hat. Auch das ein Verdienst von Fuchs: Mit und nach der Wende begleitet er uns mit seinen scharfsinnigen, kritischen, gedanken- und sorgenreichen Beobachtungen und Impressionen. Auch dabei hilft ihm manchmal noch Sperber, dieser bedeutende Renegat.



Bibliographie in: Anne-Marie Corbin-Schuffels: Manès Sperber. Un combat contre la tyrannie (1934-1960). Bern u. a.: Lang 1996 (= Collection Contacts 3: Études et documents 34; zugl. Paris: phil. Diss. 1994).
ÖLA 2/88: Nachlaß: Werke / Korrespondenz / Lebensdokumente / Sammlungen Bestand eingeschränkt benutzbar.

Korrespondenz: Briefe u. a. von Alfred Adler, Max Brod, Albert Camus, Emile Cioran, Jean Cocteau, Fritz Hochwälder, Eugène Ionesco, André Malraux, Gustaf Regler, Ignazio Silone, Upton Sinclair und Arnold Zweig
Lebensdokumente: Fotos von Sperber in verschiedenen Altersstufen - Dokumentation zur Verfilmung von "Wie eine Träne im Ozean" - Dokumentation zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - Dokumentation zum "Congrès pour la liberté de la culture" 1950-1965

Urkunden zu diversen Ehrungen: International Remembrance Award (1967), Literatur-Preis der Bayrischen Akademie der Schönen Künste (1971), Georg Büchner-Preis (1975), Buber-Rosenzweig-Medaille der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (1979), Ehrenring der Stadt Wien (1983) u. a.
Sammlungen: Manuskripte von Alfred Adler, Eugène Ionesco, Upton Sinclair und Stephen Spender unter:
www.onb.ac.at/sammlungen/litarchiv/bestand/sg/nl/sperber.htm

Material gibt es im:

  1. Manès-Sperber-Archiv
    Gründer und Leiter: Hans-Rudolf Schiesser
    Manfred-von-Richthofen-Str. 16
    12101 Berlin
    Tel.: 030/26079586
  2. www.onb.ac.at/sammlungen/litarchiv/bestand/sg/nl/sperber.htm


Berichte über NS-Aktionen in der Künstlerkolonie 1932/33 und von der Großrazzia am 15. März 1933 finden Sie unter KüKo AKTUELL

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