Red. Holger Münzer
Mihaly, Jo (Elfriede Alice Steckel, geb. Kuhr, Pseudonyme 1933-49: Jaques Michel, J. Josias, Francesco Moletta); Tänzerin, Schriftstellerin, Antifaschistin; geb. 25. Apr. 1902 in Schneidemühl (heute: Pila), Pommern, gest. 29. März 1989 in Seeshaupt (Bayern); 1927 verh. mit Leonard Steckel, Schauspieler und Regisseur, wohnhaft seinerzeit in der Künstlerkolonie; 1933 in die Schweiz geflüchtet; um 1945 gesch.; Tochter: Anja (Anja Ott), geb. 1933, Schauspielerin.
1933 emigrierte sie mit ihrem Mann Leonard Steckel in die Schweiz und lebte in Zürich bis 1949. Zunächst ohne Arbeitsbewilligung, veröffentlichte sie Feuilletons und Artikel unter Pseudonymen in Schweizer Zeitungen, u.a. in den "Basler Nachrichten", "Luzerner Neueste Nachrichten", "Neue Zürcher Zeitung", "St. Galler Tagblatt", "Tages-Anzeiger" Zürich, sowie im Exilblatt "Über die Grenzen". Sie gab Tanz-Solodarbietungen in Zürich (u.a. im April 1935 im Zürcher Volkshaus) und in Paris, hatte Auftritte zusammen mit Ernst Busch. 1934-38 war sie Gründerin und Leiterin der Gruppe "Neuer Chor" Zürich, sie entwickelte mit den vorwiegend Schweizer Mitgliedern pantomimische Szenen und Agitprop-Montagen über soziale Probleme in der Schweiz und die Lage der Exilanten, u.a. die antifaschistische Szenen-Montage "Vorsicht, Kinder!". 1938-39 Teilnahme an illegalen Veranstaltungen der KPD, sie schrieb fünf Pamphlete der "Bundschuh-Flugschriften" sowie drei der Serie "Eltern und Kinder", die illegal in Nazi-Deutschland verteilt werden sollten. Sie organisierte kulturelle Veranstaltungen mit deutschen Flüchtlingen in schweizer Internierungslagern und hatte Kontakt zu Widerstandsgruppen in Deutschland. 1943 wurde sie Mitgründerin und Vorsitzende der Kulturgesellschaft der Emigranten innerhalb der israelischen Flüchtlingshilfe in Zürich. Weiterhin war sie Mitgründerin der Freien Deutschen Bewegung in der Schweiz. 1945 wurde sie Gründerin und Sekretärin des SDS. Von Oktober 1945 bis Juli 1946 arbeitete sie in Frankfurt/M., wurde von den US-Behörden aber an der Rückkehr in die Schweiz gehindert. Sie gründete die Freie Deutsche Kulturgesellschaft in Frankfurt/M. und war Mitglied der dortigen städtischen Kulturkommission. Ab 1949 arbeitete sie als freie Schriftstellerin in Ascona; schrieb Romane, Erzählungen, Gedichte und Jugendbücher. Mitglied: Union of Free Thinkers (1932-33); süddeutscher Kulturbund ( seit ca. 1946 Vizepräsidentin).
Auszeichnungen: Ehrenpreis der Stadt Zürich (1948, 1958, 1960).
Bibliografie: "Hüter des Bruders", Roman (Zürich 1942),
"...da gibt's ein Wiedersehn! - Kriegstagebuch eines Mädchens - 1914-1918", Verlag F. H. Kerle, Freiburg/Heidelberg 1982
"Gedichte in der Fremde" (Zürich, Posen 1945, Beitrag in: "Wir verstummen nicht")
Beitrag in: "Gesang auf dem Wege", Anthologie (Affoltern 1945); andere.
Weitere Beiträge und Werke u.a.: "Ballade vom Elend", 1927 (Epos, mit Scherenschnitten v. Vf.); "Kasperltheater", 1929 (Kinderbuch mit Zeichnungen v. Vf.), "Wir verstummen nicht", Gedichte, "In der Fremde", 1945 (mit L. Ajchenrand und Stefan Hermlin); "Die Steine", 1945 (Emigrationsroman); "Das Leben ist hart", "Drei Geschichten aus dem Tessin", 1954; "Der weiße Zug", 1957 (Tier-Novellen), "Weihnachten auf der Hallig", 1957; "Bedenke, Mensch" -, 1958 (Epos, mit 25 Fotografien barocker Darstellungen des ländlichen Todes im Tessin v. R.Jenny); "Ländlliche Madonnen im Tessin", 1958 (zu Fotos von dems.); "Gib mir noch Zeit zu lieben", 1970; "Was die alte Anna Petrowna erzählt", 1970 (Erz. aus dem alten Rußland); "Der verzauberte Hase", 1971 (Erz.); "Drei Weihnachtsgeschichten", 1984 (mit Lebensbericht in Stichworten, Werkeverz.).
Lit: BHb; Archiv HH; Karina / Kant: Tanz unterm Hakenkreuz; Aufbau; DBJ; STS.
Literatur: Literatur: H. Teubner, Exilland Schweiz, Dokumentar. Ber. über d. Kampf emigrierter dt. Kommunisten 1933-45, 1975; W.Mittenzwei, Exil in d. Schweiz, 1978; K.Siebig, Ich geh mit dem Jahrhundert mit, Ernst Busch, 1980; K.Trappmann (Hrsg.), Landstraße, Kunden, Vagabunden, 1980; Künstlerhaus Bethanien (Hrsg.), Wohnsitz: Nirgendwo, Ausst.kat. Berlin 1982 (P); W.Sternfeld u. E.Tiedemann, Dt. Exillit. 1933-45, 1970; BHdE II, 2: Kosch, Lit.Lex.; Kürschner, Lit.-Kal. 1988; Killy.
Quellen:
Hg. Frithjof Trapp (Leiter), Arbeitsstelle für Deutsche Exilliteratur Universität Hamburg, Herbst 1998 im Saur-Verlag
Mitverfasserin: Dr. Bärbel Schrader, Mitglied im Vorstand der KünstlerKolonie Berlin