Gustav von Wangenheim - Rede vom 6. Januar 1946:
Hans Otto und Hans Meyer-Hanno

Text in der originalen Orthographie - Abschrift des maschinengeschriebenen Originals von Gustav von Wangenheim
aus dem Nachlaß von Hanns Meyer-Hanno
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Erben
(im Privatarchiv, Ausstellung "Die Künstlerkolonie stellt sich vor" 1989/90)

(...) (Auslassung des Teils zu Hans Otto)
Wenn hinter Hans Ottos ernstem scharfgeschnittenen Gesicht die Heiterkeit dieser Weltauffassung zu spüren war, so hielt unser lieber guter Hans Meyer-Hanno hinter seinem ewig gutmütig homorvollen Aussehen den Ernst verborger, mit dem er all diese Jahre den Kampf gegen die Vernichter Deutschlands geführt hat. Auch Meyer-Hanno gehörte zu den Künstlern, die den Weg zur Arbeiterklasse, zu ihrer kämpferischen Vorhut gefunden hatten. Mit ihm verband mich grade die Zeit meiner wesentlichsten Arbeit in den letzten Jahren vor 1933. Wenn ich heute am "Deutschen Theater" Shakespeares "Mausefalle" im Hamlet wiedergebe, so denke ich zwangläufig immer und immer wieder an jene Zeit, als wir mit der "Truppe 1931" meine im shakespearischen Geiste gedichtete "Mausefalle" darstellten. Damals begann sich Meyer-Hannos schönes Talent zu entfalten, und er trug wesentlich zu unser aller Erfolg bei. Ich werde nie vergessen, wie er dem "Angestellten Fleissig" das "Wiegenlied" vorsang: Wundervoll war seine Gestaltung des in der Krise verzweifelnden deutschen Kleinbürgers in meinem nächsten Stück für die "Truppe 1931": "Hier liegt der Hund begraben". Und auch da höre ich noch den Klang seiner Stimme...

Und so schien über "Wer ist der Dümmste?" unsere künstlerische Zusammenarbeit für immer gefestigt zu sein. Da wurde all unsere Arbeit von den Pgs und ihren Kumpanen zerschlagen, vernichtet, wir wurden auseinandergerissen. Noch einmal bekamen wir auf abenteuerlichen Umwegen Kontakt miteinander, aber er blieb in Deutschland, und wir trafen uns nie merh zusammen.

Als ich jetzt wieder zurückkam, da habe ich bei Freunden und Fremden den Widerhall dessen, was Meyer-Hanno in diesen zwölf Jahren getan hat, gefunden. Und da ist auch nicht einer, der nicht in einem Atem von Meyer-Hannos aufrechter kämpferischer Haltung und seinem lieben, kameradschaftlichen, freundlichen Wesen sprach. Er war ein gewinnender Mensch, und Irene, seine Lebens- und Kampfkameradin, hat mir gesagt, wie sehr er darunter gelitten hat, dass er nur allzuwenige zum radikalen, unerbittlichen Kampf gewinnen konnte. Er war unermüdlich, er hatte einen nie versiegenden Optimismus, auch er war sicher aus Wissenschaft. Er war sicher, weil er wusste, dass die Nazis keine tausend Jahre bleiben würden, er wusste, dass die fortschrittlichen Kräfte der Menschheit sich in der Welt solche Machtpositionen bereits erobert haben, aus denen sie kein Faschismus je wieder vertreiben kann, und dass diese fortschrittlichen Kräfte der Aggression des Faschismus widerstehen und ihn dabei vernichten würden, auch wenn das deutsche Volk dazu nicht imstande sein würde.

Meyer-Hanno wusste aber auch, dass jeder Einzelne von sich aus versuchen musste, die Ehre der deutschen Arbeiterklasse und des gesamten deutschen Volkes zu retten dadurch, dass er widerstand und sich dazu vorbereitete mit allen Gleichgesinnten zum Angriff überzugehen.

Meyer-Hanno hat Widerstand geleistet Ehre seinem Andenken: weil er uns Ehre gemacht hat.

Meyer-Hanno hat sich immer und immer wieder zum Angriff zum Angriff vorbereitet. Ehre seinem Andenken: weil er zu denen gehört, die uns ein Recht geben, am deutschen Volk nicht zu verzweifeln und an seine Wiedergenesung zu glauben!

Er hat in verschiedenen Gruppen fast ohne Unterbrechung gearbeitet. Manche Art Zusammenarbeit löste sich freilich trotz all seiner Bemühungen in Nichts auf, die meisten seiner Mitarbeiter wurden im Laufe der Arbeit verhaftet, in Gefängnisse gebracht und hingerichtet. Es war mehrere Male nur ein Zufall, dass er selbst nicht mit dabei war. Er verdankte das auch, wie uns seine Frau Irene berichtet, oftmals Anderen standhaft schweigenden Genossen. Ehre ihnen, ob sie nun leben oder für die gute Sache gefallen sind! Auch nachdem Meyer-Hanno verhaftet war, nahm so einer von den beiden Zeugen, die von seiner Arbeit wussten, - Moll - alles auf sich und machte dann seinem Leben ein Ende.

Die Veranlassung zu Meyer-Hannos Verhaftung gab der Verrat eines Spitzels, der sich im Bund "Freies Deutschland" eingeschlichen hatte. Mehrere hundert Personen waren in den Kampfgruppen des Bundes beteiligt, tapfere Menschen aus allen Schichten des deutschen Volkes, Arbeiter, Intellektuelle, Bürger. Selbst im Prozess beim Volksgerichtshof war der Richter gezwungen, Meyer-Hannos aufrechte Haltung anzuerkennen, ob er wollte oder nicht. Die letzten Nachrichten, die wir von Hanno haben, sind aus dem Zuchthaus in Dresden. Wir wissen nicht genau, auf welche Weise die Nazis diesen prachtvollen Menschen in den Tod getrieben haben. Wir vereinigen unsere Trauer mit der Frau seiner von ihm so zärtlich geliebten Familie. Das "Deutsche Theater", dem er heute angehören würde, wenn er noch lebte, hat die Patenschaft für seine Kinder übernommen.

Hans Otto und Hans Meyer-Hanno, zwei wahrhafte deutsche Demokraten, Kämpfer für die Volksfreiheit, zwei vorbildliche deutsche Künstlerpersönlichkeiten. Sie hören uns nicht mehr, wenn wir reden, sie,die so sehnsüchtig die Stimmen der Freunde suchten. Wir aber hören sie, wenn wir schweigen, wenn wir reden, wenn wir arbeiten. Wir hören sie in diesem Augenblick Wir sehen sie vor uns. Und es ist uns, als wenn sich der Vorhang, der für immer geschlossen ist, doch noch einmal lüftet, sie treten heraus, und wir, wir erheben uns von unseren Plätzen und grüssen sie zum letzten Mal, dankend, so wie sie das von ihrem geliebten Beruf gewöhnt waren, begrüssen sie zum Dank für ihr gelebtes Leben aus tiefstem Herzen mit einem letzten Applaus.


Die Totenrede (diese Datei - im Privatarchiv) wird im Internetz weltweit schamlos und ohne Nachfrage geklaut und veröffentlicht. Für die wahren Hintergründe des Todes von Hans Meyer-Hanno gibt es Zeugen und eidesstattliche Versicherungen, eine z.B. durch Dr. Kurt Raeck (ehem. Intendant des Renaissance-Thrater) und andere. Diese werden heutzutage aufgrund der falschen Darstellung in der Version des Nazi-Regimes seinerzeit durch das Wilmersdorfer Bezirksamt (um sich die Witwenrente zu ersparen) und heutzutage durch Wikipedia entgegen der vorhandenen historischen Dokumente verbreitet. Auch in Wikipedia gilt offensichtlich: Die Behörde hat immer recht. Das Lied von der "Die Behörde" stammt übrigens aus der Feder dieses demokratischen, sozialen, sozialdemokratischen, linken, sozialistischen, PDS-Nachfolger, SED-Nachfolger, Honnecker-Nachfolger, stalinistischen, extremistischen, terroristischen, antifaschistischen Verbrechers Erich Weinert.

Wenn behauptet wird "...auf der Flucht erschossen" (Darstellung des Nazi-Regimes) darf gefragt werden: wohin sollte Hans Meyer.Hanno denn flüchten auf einem durch Gitter und Stacheldraht umzäunten und einem streng bewachten Gelände? Und: Der sogen. "Volkssturm" wurde vom NS-Regime ja nur deswegen einberufen, weil Kinder und Greise einberufen wurde zur Verteidigung einzelner Städte. Schließlich befand sich die Rote Armee (UDSSR) längst auf - damalig noch - deutschem Boden und nähersten sich Berlin. Auch im Westen war die Allianz (mit der amerikanischen Armee) ja längst gelandet, hatte die Niederlande und Frankreich bereits befreit und befand sich auf deutschem Gelände rechts des Rheins. Eine Flucht war unsinnig und gar nicht notwendig: das Ende des Krieges und des Nazi-Regimes war bekannt. Wieso sollte Hans Meyer-Hanno also fliehen? Er brauchte doch nur wenige Tage zu warten.

Andererseits: durch die Übernahme der Version des Nazi-Regimes ersparte sich das Bezirksamt die Witwenrente. Schande über das damalige Bezirksamt und die heutige Wikipedia, welche die historischen Dokumente mißachten. Jedoch: "Die Behörde, die Behörde, die hat immer Recht. Kein weiterer Kommentar.

Das heutige Bezirksamt darf die damaligen Dokumente nicht ändern - klar -, ist aber offen für unsere (KünstlerKolonie Berlin eV - Archiv) historischen Dokumente - im Gegensatz zu Wikipedia.

zurück zu Hans Meyer-Hanno
Berichte über NS-Aktionen in der Künstlerkolonie 1932/33 und von der Großrazzia am 15. März 1933 finden Sie unter KüKo AKTUELL

Gehe zu: Bewohner | KünstlerKolonie | Kultur-Netz

Programmierung und Design: © Kultur-Netz-Service