Der Maler und Grafiker Gerhard Meinke wohnte seit 1954 bis zu seinem Tode 1995 in der Wilmersdorfer Künstlerkolonie. 1997 wäre er 75 Jahre alt geworden. Mit der posthumen Ausstellung "Gerhard Meinke 1922-1995 - Der künstlerische Nachlaß" (Februar/März 1997 in der "Kommunalen Galerie" in Berlin) wurde schwerpunktmäßig ein Einblick in das Werk des Malers gegeben.

Geboren 1922 in Masuren, in einem kleinen Dorf an einem See, bleibt er dort nur bis zu seinem 7 Lebensjahr. Doch diese Landschaft hat ihn stark geprägt. Er hat später die Masuren in vielen seiner Bilder dargestellt, diese harte und weite Landschaft, die das Kind frühzeitig begreifen ließ, daß der Mensch zerbrechlich ist und unvollkommen.

In den Kriegsjahren (1939-45) lernte er Rußland und Karelien kennen, er kämpfte in Lappland gemeinsam mit den Finnen gegen die Russen. Auch diese Landschaft, in ihrer Weite und Rauheit den Masuren seltsam verwandt, hat sein Wesen geprägt und seinen Blick geschärft für die Urwüchsigkeit dieser Landschaft, ja, hat seine Seele selbst auf gewisse Weise urwüchsig werden lassen.

Seine erste Ausbildung in angewandter und freier Malerei erhielt er an der Berliner Meisterschule für das Kunsthandwerk in den Jahren 1948-1952, hier machte er sein Abschlußexamen. Schon 1952 erhält er seinen ersten künstlerischen Auftrag, ein Sgraffito, eine künstlerische Wandgestaltung am Stadtbad Wedding. 1953 besucht er das "Workstudio" im Amerikahaus bei Juro Kubicek. Seither hat er viele Wandgestaltungen gemacht in Sgraffito, Metall und Gipsschnitt für private und vorwiegend für öffentliche Auftraggeber. Er arbeitete auch als Ausstellungs- und Messegrafiker, bevor er sich ausschließlich der freien Malerei zuwandte.

Er zeigte seine Bilder auf vielen Ausstellungen: Ibiza, Hamburg, Regensburg, Berlin usw. Auch wir, die KünstlerKolonie Berlin e.V. haben seine Bilder ausgestellt in der Ausstellung "Materialkunst" (Mai bis Juni 1992, Kommunale Galerie Berlin) und in der Ausstellung "Gerhard Meinke - der künstlerische Nachlaß (Februar / März 1997, Kommunale Galerie Berlin).

Seine Themen waren Vergänglichkeit, Zerfall, Zerstörung, Zukunftsvisionen. Er hat viele Materialbilder gemacht. Sein letztes, "Blau" hat er es genannt, trägt eine irgendwo im Garten aufgefundene halbverrostete Mistgabel, Holzdübel und geformte Metallteile. Aber dieses Blau ist ein ganz besonderes Blau. Es ist dasselbe Blau, das auf seinem Gemälde von Lappland bereits auftaucht. Ein tiefes kräftiges Blau. Halb Wald, halb undurchdringliche See. In diesen Materialbildern werden diese Intentionen besonders deutlich. Arbeiten in Öl und Aquarelle dagegen zeigen seine enge Verbundenheit zur Landschaft.

Er sagte irgendwann mal: "Künstlersein heißt auch: sich ausdrücken, um nicht gefühlskrank zu werden". So hat er sich Bilder von der Seele gemalt, so suchte er schließlich das Wort, um sich auszudrücken und schrieb Gedichte. In einem Artikel über den "Versuch einer Begriffsentwirrung" von "Kunst und Künstler" nennt er die Kunst eine "permanente Frage an die Schöpfung und als permanentes Bemühen, selbst eine Antwort zu finden". Und nach einem "Seufzer der Hilflosigkeit - und an den Anfang zurückgeworfen" resümiert er: "Dem Maler bleibt zumindest die einsame Möglichkeit: leere Flächen mit Linien, Formen und Farben zu füllen und dabei so selbstkritisch wie möglich Wert und Erfolg seiner Intensionen und Bemühungen immer wieder in Zweifel zu ziehen. In der Arbeit am Bild stellen sich erneut Fragen, aber es finden sich, oft spät erst, dann schließlich doch die Antworten, die auch bei geltenden Kriterien immer subjektiv sein werden und sein müssen."

(aus Holger Münzers Rede zur Eröffnung der Ausstellung am 9.2.1997)
Foto mit freundlicher Genehmigung durch Gerhard Meinke


Anläßlich seines 75. Geburtstages fand im Februar/März 1997 in der "Kommunalen Galerie" in Berlin eine posthume Ausstellung des Malers Gerhard Meinke statt. Neben seiner Malerei schrieb Meinke auch Lyrik und Prosa

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