Arthur Koestler, Schriftsteller

Arthur Koestler war ehem. Bewohner der Künstlerkolonie Berlin,
Bonner Str. 12
und Mitglied der sogen. "Kommunistischen Zelle" mit Steffi Spira und der "Truppe 1931
Foto mit freundlicher Genehmigung durch Steffi Spira (Interview 1990), bei welcher Arthur Koestler zur Untermiete wohnte."

geb. 5.9.1905 in Budapest, Schriftsteller, Philosph, Romancier

Koestler trat 1931 der kommunistischen Partei bei, war 1932/33 in Rußland, 1936/37 als Korrespondent im Spanischen Bürgerkrieg (4 Monate als Gefangener Francos), trat 1938 aus der kommunistischen Partei aus, entfloh 1939 aus einem französischen Gefängnis; 1941/42 in der englischen Armee.

Er verfaßte Berichte und Romane in konzentrierter Sprache um ethische Probleme und Konflikte in der Politik, wandte sich aber besonders gegen jede individuelle Regung unterdrückenden Formen des Totalitarismus zugunsten eines sozialen Humanismus. Besonders deutlich wird dies in seinem Roman «Diebe in der Nacht», welcher als Fernsehfilm in drei Teilen seit Oktober 1989 im Programm der ARD zu sehen ist.


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Werkeauswahl:
Sonnenfinsternis (engl. 1940, dt. 1948);
Der Yogi und der Kommissar (engl. 1948, dt. 1950);
Gottes Thron steht leer (engl. 1950, dt. 1951);
Der Pfeil ins Blaue (Autobiographie 1953, dt. 1953);
Fortsetzung: Die Geheimschrift (dt. 1955);
Die Nacht-wandler, das Universum im Wandel der Zeit (dt. 1959);
Von Heiligen und Automaten (1964);
Diesseits von Gut und Böse (1965);
Der Göttliche Funke (1966);
Diebe in der Nacht (mehrteilige Fernsehserie über die Errichtung des Staates Israel, gesendet 1989).

Diebe in der Nacht - Klappentext:
Koestler schildert die Gründung Israels am Beispiel einer Gruppe Juden, die auszieht, 600 Hektar Land in der Wüste zu besetzen. Zweimal haben sie schon versucht, Verschanzung, Wachtturm und die ersten Wohnbaracken auf dem unfruchtbaren Hügel zu errichten, zweimal sind sie zurückgeschlagen worden. Aber in dieser Nacht muß der Turm stehen, wenn die Gemeinschaft von »Esras Turm« überleben soll.

Arthur Koestler - weltberühmt durch Sonnenfinsternis (Ullstein Buch 20029) - erzählt in seinem spannungsgeladenen Roman die entscheidende Etappe des Kampfes der Juden um einen eigenen Staat. Auch Jahrzehnte nach der Gründung Israels hat dieses Buch nichts von seiner Gültigkeit verloren.

Bei der Büchergilde Gutenberg gibt es eine zweibändige Ausgabe "Autobiografische Schriften": "Frühe Empörung" (ISBN 3 7632 4144 2) und "Abschaum der Erde" (ISBN 3 7632 4145 0)

Aus dem ersten Buch, "Frühe Empörung", der folgende Klappentext:
Seine Romane haben Arthur Koestler zu Weltruhm verholfen, obwohl er, genau genommen, kein Schriftsteller gewesen ist. Er stand an den Brennpunkten der Politik, doch sein Interesse galt eigentlich den bahnbrechenden Entdeckungen der Naturwissenschaft. Er hat Freud und Einstein interviewt, aber auch an Münzbergs legendärem "Braunbuch" mitgearbeitet. Für den liberalen Ullstein-Konzern nahm er 1931 an einem Nordpolflug teil, ohne den Pol zu sehen, und ein Jahr später bereiste er im Dienst der Komintern die UdSSR, ohne den stalinistischen Terror wahrzunehmen. Ein Zyniker? Ein blinder Fanatiker? Ein Hochbegabter jedenfalls, und ein seelisch gespaltener Mensch, heute manisch, morgend depressiv.

Ideologisch ein Wanderer zwischen den Welten, war Koestler nacheinander rechtsradikaler Zionist, strammer Stalinist und wütender Kalter Krieger, allemal aber nur Zaungast der Politik. Sein Engagement war kaum je rational, der Antrieb kam von einer labilen Psyche.

Mit dieser Kombination von problematischem Naturell und pseudopolitischem Aktionismus ist Koestler fast zum Prototyp für alle diejenigen geworden, die das ewige Heil im Diesseits suchen und damit wohl oder übel immer aufs neue scheitern. Das ist keineswegs ein Lob für den, der solch ein Leben gelebt hat, doch ist mit Arthur Koestler ja auch niemand schärfer ins Gericht gegangen als eben - Arthur Koestler. Die an Freud geschulte, gnadenlose Durchleuchtung des eigenen Tuns und Lassens macht seine in den fünfziger Jahren erstmals und jetzt wieder aufgelegte Autobiografie noch immer zu einem spektakulären Buch. Was die Anhänger der zusammengebrochenen stalinistischen Diktaturen hartnäckig verschweigen, hat Koestler am eigenen Beispiel bloßgelegt: die individualpsychologische Basis dieser Diktaturen; die mentalen Bedürfnisse der Anhänger, die sie befriedigten und denen sie ihr langes Bestehen weit stärker verdanken als dem Terror, den sie übten. Selten ist ein politisches Massenphänomen so klarsichtig gedeutet worden, selten ein Buch so sehr zur rechten Zeit gekommen wie dieses.

Aus dem zweiten Buch, "Abschaum der Erde", der folgende Klappentext:
Im zweiten Buch der Autobiografie erzählt Arthur Koestler von der dramatischsten Zeit seines Lebens. Dreimal in kanpp vier Jahren war er in Haft, stets unter falscher Anschuldigung. Francos Faschisten sperrten den Kriegsberichterstatter 1937 als "Spion" monatelang in die Todeszelle. 1939 warf das demokratische Frankreich den Mann ins Straflager für Kommunisten, der schon ein Jahr zuvor mit der KP gebrochen hatte, und 1940 brachte die britische Polizei den Antifaschisten Koestler als "NS-Agenten" hinter Gitter. Daß der Einzelne für die Mächtigen nicht mehr ist als eine Laus, das haben in unserer so überaus humanen Zeit zuerst die Heimatlosen zu spüren bekommen, die Exilierten, die Entwurzelten aller Länder - der "Abschaum der Erde". In Koestler, der dem Verhängnis durch Glück und durch Zufall entkam, hat dies namenslose Heer von Entrechteten seinen Chronisten gefunden. Wenn er von den Opfern bürokratischer Willkür und von den Leichenbergen spricht, mit denen totalitäre Ideologien ihren Weg gesäumt haben, schildert er den Wahnwitz der Epoche. Bei Koestler haben diese Erfahrungen zu einer radikalen Selbstprüfung geführt. Sie kulminierte im Austritt aus der KPD und führte in letzter Konsequenz zu dem Roman "Sonnenfinsternis".

Die Entstehungsberichte zu diesem Buch und zu dem Spartakus-Roman "Die Gladiatoren" ermöglichten Blicke in die Werkstatt des Autors, noch tiefer aber in seine Psyche, und ganz nebenbei erklären sie, weshalb der Journalist Koestler plötzlich Romane schrieb: So schwer war es, sich von der kommunistischen Heilslehre seelisch zu lösen, daß er, der Mann der direkten Rede und unverstellten Argumentation, beim "verdeckten Schreiben" Zuflucht suchen mußte. Er brauchte den Schutz der literarischen Fiktion, um vor sich selbst den Aufstand gegen die Partei zu rechtfertigen, brauchte die distanzierende Maske des Romans, um den Ausbruch aus ihr zu wagen. Nicht nur seiner Zeit also, auch sich selbst hat er den Spiegel vorgehalten, und die Ehrlichkeit, mit der er aufschrieb, was er dabei sah, macht seine Autobiografie zu einem großen Buch.



Im Internetz sind beiProjekt Gutenberg die folgenden Bücher erreichbar:

Das rote Jahrzehnt. EUROPA VERLAG, 03/91
Die Gladiatoren. EUROPA VERLAGS GMBH, 01/90
Die Wurzeln des Zufalls. SUHRKAMP VERLAG KG
Diebe in der Nacht. ULLSTEIN TASCHENBUCHVLG., 01/83
Ein Mann springt in die Tiefe. EUROPA VERLAGS GMBH
Sonnenfinsternis. EUROPA VERLAG, 08/98
Act Of Creation. ARKANA, 12/89

Diese und weitere Bücher finden Sie, wenn Sie bei amazon, englische und amerikanische Ausgaben auch bei www.libri.de.


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aus KünstlerKolonieKurier Nr. 1 (1988)

Berichte über NS-Aktionen in der Künstlerkolonie 1932/33 und von der Großrazzia am 15. März 1933 finden Sie unter KüKo AKTUELL

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