Alfred Kantorowicz, Schriftstellergeb. 12.8.1899 in Berlin, gest. 27.3.1979 in Hamburgehem. Bewohner der Künstlerkolonie Berlin Kreuznacher Str. 48, dort auch Gedenktafel Literaturwissenschaftler und Schriftsteller, Redakteur bei der «Vossischen Zeitung» und Mitarbeiter der «Weltbühne». Emigrierte 1933 nach Frankreich , war Offizier der Internationalen Brigade im Spanischen Bürgerkrieg, lebte danach in den USA, nach 1946 in Ost-Berlin, Professor an der Humboldt-Universität, 1947-49 Herausgeber der Zeitschrift «Ost und West», ging 1957 (überraschend) in die BRD. |
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"s'war eine gute Gemeinschaft", schreibt Alfred Kantorowicz in seinem Deutschen Tagebuch. "Ich werde den Gefährten, an deren Seite ich damals (...) die geistigen, politischen und notfalls in Straßen- und Saalschlachten handgreiflichen Kämpfe gegen den Naziterror durchfocht, immer ein achtungsvolles Gedenken bewahren. Funktionäre, politische Geschäftemacher, Denunzianten, Spitzel waren nicht unter denen zu finden, die in den sogenannten Künstlerblocks am Laubenheimer Platz (heutiger Ludwig-Barnay-Platz Anm.d.R.) in Berlin-Wilmersdorf eine in Treu und Glauben verschworene Kampfgemeinschaft bildeten."Von Versammlungen, Schulungen, Zellensitzungen, Thesen, Deklarationen und Beschlüssen weitgehend unbehelligt, sangen die Mitglieder der Kommunistischen Zelle unbekümmert nach der Melodie des damals weitverbreiteten Schlagers "Die Sache wird schon schiefgehen - jawohl Herr Kapitän", "Du mußt mal ins Parteihaus, die Linie frisch lackiern." Die Künstlerkolonie war damals ein verlorenes Häuflein, "auf Vorposten inmitten des schon weitgehend nazifizierten Westens Berlins". In seinen Erinnerungen beschreibt Kantorowicz die Situation. "Tatsächlich war der Rote Block wie ein Blockhaus im Flaggenwald der Hakenkreuzfahnen. Das zeigte sich so recht in jenem hektischen Jahr 1932, in dem die Zahl der Arbeitslosen auf über sechs Millionen anschwoll, die legale preußische Regierung durch den Staatsstreich des Herrn von Papen am 20. Juli gewaltsam abgesetzt wurde und in dem eine Wahl der anderen folgte: zwei Wahlgänge zur Reichspräsidentenschaft, die den kaiserlichen Marschall von Hindenburg abermals im höchsten Amt der Republik bestätigten, zwei Reichstagswahlen und eine Wahl zum preußischen Landtag, wechselnde Regierungen, Ausschreitungen, Hungerdemonstrationen, ein bürgerkriegsähnlicher Zustand, in der nachgerade jeder seine Farben offenbarte, Schwarz-Rot-Gold, Schwarz-Weiß-Rot, Hakenkreuz, Hammer und Sichel. In den drei Künstlerblocks aber zeigte sich auch nach der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 bis zum Tage des Reichstagsbrandes nicht eine einzige Fahne mit dem Hakenkreuz. Wohl waren die meisten von uns Humanisten, jedoch wir waren streitbare Humanisten mit dem Akzent auf streitbar. Wir schlugen zu und schlugen zurück. Rückten die SA-Stürme an, so waren wir vorbereitet, sie zu empfangen. Vierhundert von den rund tausend Bewohnern der drei Blocks waren im antifaschistischen Kampfbund Künstlerkolonie vereinigt und wir durften dazu stets auf die Hilfe anderer militanter Gruppen in Wilmersdorf, Steglitz, Friedenau zählen. (...) An Wahltagen prangten die drei Blocks trotzig im Schmuck Hunderter von schwarz-rot-goldenen und roten Fahnen und Transparenten. Von weit her, aus Wedding, aus dem Osten Berlins pilgerten Arbeiter zu uns, um sich dies einzigartige, ermutigende Schauspiel einer völlig nazifreien Kolonie im Westen zu betrachten." Nach dem Reichstagsbrand in der Nacht vom 27. zum 28. Februar 1933 gehörte Kantorowicz zu den Künstlern und Intellektuellen, die der ersten Verhaftungswelle ausgesetzt waren. Bei einem Freund fand er Unterschlupf. Von dort aus unternahm er noch einige Aktionen, den Naziterror zu bekämpfen. "In einem Keller stand noch ein Vervielfältigungsapparat, und die Genossen zogen den Text eines bereits von mir auf eine Wachsplatte getippten Flugblattes gegen die Nazis ein paar hundertmal darauf ab, und wir steckten die Blätter noch vor Morgengrauen in die Briefschlitze der Bewohner der Künstlerblocks am Laubenheimer Platz (heutiger Ludwig-Barnay-Platz Anm.d.R.) oder hefteten sie an Mauern und Bäume, verstreuten sie vor den Eingängen zur U-Bahn, neben Zeitungsständen, auch in der Nähe größerer Betriebe. Wir beschafften uns einen Eimer voll guter, schwer auslöschlicher Ölfarbe und beklierten die Häuserwände und das Straßenpflaster mit unseren Parolen: ‘Für Arbeit, Freiheit, Brot - der Künstlerblock bleibt rot!’ - Gegen Krieg und Barbarei - wählt Kommunisten, Liste drei!’ - denn es wurde ja am 5. März noch einmal, das letzte Mal zum Reichstag gewählt. Wir vereinigten uns zu kleinen, stimmkräftigen Stoßtrupps, die in den Höfen der Blocks ‘Blitzdemonstrationen’ wagten, mit kurzer, lauter Ansprache an die aufgeschreckten Bewohner, einige unisono gebrüllten Kampfparolen - nur um zu zeigen, daß wir noch da waren. Dann kamen die Polizeiflitzer und Nazistreifen und jagten uns." |