(Peter Huchel war ehem. Bewohner der Künstlerkolonie Berlin und wohnte im selben Haus wie Ernst Bloch, Kreuznacher Straße 52, bei dem er häufig zu Besuch war und lernte dort auch Alfred Kantorowicz kennen, vermutlich auch bereits damals Johannes R. Becher, die beide direkt in der Nachbarschaft wohnten.)
Gedenktafel Kreuznacher Str. 52
Foto mit freundlicher Genehmigung durch das Peter-Huchel-Haus
Aufgewachsen auf dem Bauernhof seines Großvaters im märkischen Alt-Langerwisch (Gemeinde Michendorf), studierte er Literatur und Philosophie in Berlin, Freiburg im Breisgau und Wien.
Ab 1925 freier Schriftsteller in Berlin. Zwischen 1927 und 1930 reiste er durch Frankreich, den Balkan und die Türkei und war danach Mitarbeiter der Literaturzeitschrift „Die literarische Welt“, in der er wie auch in den beiden anderen Zeitschriften „Das innere Reich“ und „Die Kolonne“ seine ersten Gedichte veröffentlichte. In seiner autobiographischen Skizze "Europa neunzehnhunderttraurig" (1931) begründete er sein Einzelgängertum (er war weder Marxist noch bürgerlicher Dichter, sondern er verstand sich als Naturlyriker). 1932 erhielt er von der Dresdner Zeitschrift „Die Kolonne“ seinen ersten Lyrikpreis für die Gedichtsammlung "Der Knabenteich"; die Drucklegung verhinderte er jedoch, weil er befürchtete, die Nationalsozialisten könnten seine Naturlyrik vereinnahmen. In der „inneren Emigration“, zurückgezogen in Michendorf, verfaßte er unpolitische Funkdichtungen, die Hörspiele "Dr. Faustens Teufelspakt und Höllenfahrt" (1933), "Die Magd und das Kind" (1935) sowie "Margarete Minde" (1939), veröffentlichte in dieser Zeit aber kaum Gedichte.
1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, geriet 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kam ins Kriegsgefangenenlager Rüdersdorf, östlich von Berlin. Im September 1945 wurde er entlassen. 1945-48 künstlerischer Direktor und Sendeleiter des (Ost-)Berliner Rundfunks, wurde er danach Chefredakteur der von Johannes R. Becher und dem Literaturhistoriker Paul Wiegler herausgegebenen Literaturzeitschrift „Sinn und Form“. Aus seiner Zeit als Chefredakteur von "Sinn und Form" existieren nur noch wenige Originaltondokumente.
1951 Nationalpreis der DDR, 1955 Fontane-Preis Potsdam. Huchel hat der DDR in diesen Jahren, der Hoch-Zeit des Kalten Krieges, abseits von den sozialistischen Literaturkampagnen ein internationales Renommee verschafft. Mit einem weitgespannten Themenkreis und bedeutenden Autoren aus Ost und West stellte "Sinn und Form" den Anschluß an die literarische Moderne der Nachkriegszeit her, was bei den stalinistischen Kulturpolitikern der DDR nicht unangefochten blieb.
Huchels freiheitliche Auffassungen von einem undogmatischen marxistischen Literaturdiskurs brachten ihn in Konflikt mit der offiziellen Parteilinie. 1962 wurde ihm das Heft von SED-Funktionären aus der Hand genommen, Peter Huchel wurde zum Rücktritt gezwungen. 1963 Fontane-Preis Berlin-West. Es folgten neun Jahre der Isolation und Überwachung. Zurückgezogen lebte er in seinem Haus in Wilhelmshorst bei Potsdam (Hubertusweg 41 in 14557 Wilhelmshorst). Bis zu seiner Ausreise 1971 wurde das Haus am Hubertusweg zum Treffpunkt von Schriftstellern, die in Opposition zum SED- Regime standen: Wolf Biermann, Ludvik Kundera, Günter Kunert, Reiner Kunze und andere kamen zu Huchel, auch Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll und Max Frisch zählten zu den Besuchern.
Nach einem Jahrzehnt staatlich verordneter Isolation und Leben als öffentliche Unperson siedelte er 1971 in die Bundesrepublik über.
Heute erinnert eine ständige Ausstellung im Peter-Huchel-Haus in Wilhelmshorst an den Dichter. Hier finden literarische Werkstätten, Lesungen und Kolloquien statt (siehe: Wolf Biermann klampfte unterm Dach). Außerdem haben die Geschäftsstelle der "märkischen dichterlandschaft" und die Redaktion der Literaturzeitschrift "moosbrand" ihren Sitz im Peter-Huchel-Haus. Im Oktober des Jahres 1997 wurde das Peter-Huchel-Haus als Gedenkstätte und Literaturhaus eröffnet. Fast 20 Jahre (bis zu seiner Ausreise) hatte Peter Huchel dort gelebt.
Peter Huchel gab zwar nur fünf schmale Gedichtbände heraus ("Gedichte" [1948], "Chausseen Chausseen" [1963], "Die Sternenreuse", Gedichte 1925-1947 [1968], "Gezählte Tage" [1972] und "Die neunte Stunde" [1979]), gehört aber dennoch unbestritten zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern unseres Jahrhunderts. Seine Dichtung ist vom Naturerlebnis seiner märkischen Heimat geprägt; seine Sprache ist knapp, präzise, schlicht mit einprägsamen, kraftvollen Bildern. - Der Südwestfunk und das Land Baden-Württemberg vergeben seit 1984 den Peter-Huchel-Preis (10 000.- DM).
Joseph Brodsky nannte Peter Huchel neben Gottfried Benn den bedeutendsten deutschen Lyriker der Nachkriegszeit. Der Lyriker Peter Huchel ist als "Dichter der Mark Brandenburg" in die Literaturgeschichte dieses Jahrhunderts eingegangen.
Mit herzlichem Dank an Dr. Hub Nijssen (Nijmegen / NL) für zugesandte Korrekturen, sein Buch "Der heimliche König" für unser Archiv und seinen spannenden Vortag am 09.04.2003 im Coupé (Theater - Berlin-Wilmersdorf)
Werke:
"Gedichte" (1948, 1950)
"Chausseen, Chausseen" (1963 , Fischer Taschenbuch)
"Die Sternenreuse", Gedichte 1925-1947 (ersch. 1968, Gedichte, Piper TB, 96 S.)
Gesammelte Werke Bd. 1: "Die Gedichte", 1984, 91 S., Suhrkamp - Gesammelte Werke Bd. 2: "Vermischte Schriften", 1984, 458 S., Suhrkamp - "Gesammelte Werke", 2 Bde., Hrsg. von Axel Vieregg, Neuauflage 1996, 947 S., Suhrkamp
"Die neunte Stunde" Gedichte, 1979, 80 S., Suhrkamp - "Die neunte Stunde", Gedichte, 1985, 72 S. Bibliothek Suhrkamp, Suhrkamp
"Peter Huchel Leben und Werk in Texten und Bildern", Hrsg. von Peter Walther, 1996, 336 S., Insel-Taschenbuch, Insel Frankfurt/Main
"Gezählte Tage", Gedichte, Suhrkamp 1972, 100 S.
"Peter Huchel. Materialien", hrsg. von Axel Vieregg, 1985, 353 S., Suhrkamp
Weitere Literatur siehe: Hub Nijssen: "Der heimliche König", Leben und Werk von Peter Huchel, Königshausen&Neumann 1998, auch als Dissertation in Berlin vorhanden (FU und TU): idem, Nijmegen 1995, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 1998, 625 S.
Rezension dazu: Hub Nijssen: Der heimliche König: Leben und Werk von Peter Huchel (www.berliner-lesezeichen.de)
Veröffentlichung der Texte und Bilder mit frdl. Genehmigung des Peter-Huchel-Hauses und Dr. Hub Nijssen.
Material zu Peter Huchel:
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