Tagesspiegel vom 5. August 1990

Walter Hasenclever

Mit Interesse habe ich den Artikel von Peter Urban-Halle über Walter Hasenclever im Tagesspiegel vom 8. Juli gelesen. Er wird ihm und seiner Persönlichkeit, seiner Begabung und seinem Charakter durchaus gerecht. Wie unendlich vieles könnte man hinzufügen, was das Bild abrundet, vor allem über die erwähnten anderen Menschen, in manchem Fall ist es besser, den Mantel des Vergessens darüber zu lassen.

Zwei Dinge mõchte ich ergänzen: Seine "Ehen werden im Himmel geschlossen" hat er nicht in Paris geschrieben, das Stück entstand vielmehr im wesentlichen während eines (gemeinsamen) Aufenthaltes in Le Lavandou an der Cote d'Azur. Vieles davon erarbeitete er mit mir, die Rolle der Magdalena hat er für mich geschrieben, das Stück dann mir gewidmet. Ob diese Widmung dann aus schlechtem Gewissen entstand oder bereits bei der Fertigstellung des Stückes angebracht war, weiß ich nicht. Denn ich habe die Magdalena nicht gespielt, als das Stück in Berlin uraufgeführt wurde.

Es hieß, wenn ich nicht verzichtete (die Rolle spielte dann Grete Mosheim), werde das Stück nicht aufgeführt - und das meinte ich, Hasenclever nicht antun zu können. Viel später erfuhr ich den wirklichen Hintergrund: Werner Kraus hatte sich in den Kopf gesetzt, im Deutschen Theater den Don Carlos spielen zu wollen, erst durch das Angebot der Rolle des Lieben Gottes in Hasenclevers Stück gelang es, ihn von dieser gewiß nicht glücklichen Idee abzubringen. Und am Deutschen Theater war Grete Mosheim fest im Engagement. Ich habe Hasenclever danach nie wiedergesehen. In das Exemplar (das Buch erschien bei Propyläen), das er mir schickte, schrieb er: "Liebes Blandinchen, ich sende Dir dies Stück aus dem Sonnenland von Lavandou, wo wir bei Aperitifs unter dem Sternenhimmel saßen und am Tage Mimosen pflückten. Ich habe es Dir gewidmet, weil Du ein gutes Ziehkind warst und mir liebevoll geholfen hast. Nimm es hin von Deinem dankbaren, wenn auch manchmal untreuen Walter."

Sodann: erst vor wenigen Jahren hat der WDR als Hörspiel Hasenclevers Fragment "Der Froschkönig" produziert (Peter Hacks hatte es vervollständigt). Ein insofern besonders bemerkenswertes Stück (er hatte für mich die Rolle der Prinzessin vorgesehen), als es vor seiner Emigration, Ende der zwanziger Jahre entstanden war und schon die Grausamkeiten der späteren Nazigrößen genau persiflierte. Er wußte genau, was auf uns zukam und hat es sich in diesem Stück verschlüsselt von der Seele geschrieben. Es wirkt heute natürlich noch eindrucksvoller als damals, da niemand glauben wollte, was auf uns zukam. Das Hörspiel erschien mir persönlich als eine besonders gelungene Produktion, nicht zuletzt dank der Musik von Juan Allende-Blin.

Blandine Ebinger, Berlin-Dahlem

  • Walter Hasenclever Kurzbiografie
  • "Irrtum und Leidenschaft" - Zum 100. Geburtstagvon Walter Hasenclever, Artikel (Weltspiegel 8.7.1990)

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