Es hieß, wenn ich nicht verzichtete (die Rolle spielte dann Grete Mosheim), werde das Stück nicht aufgeführt - und das meinte ich, Hasenclever nicht antun zu können. Viel später erfuhr ich den wirklichen Hintergrund: Werner Kraus hatte sich in den Kopf gesetzt, im Deutschen Theater den Don Carlos spielen zu wollen, erst durch das Angebot der Rolle des Lieben Gottes in Hasenclevers Stück gelang es, ihn von dieser gewiß nicht glücklichen Idee abzubringen. Und am Deutschen Theater war Grete Mosheim fest im Engagement. Ich habe Hasenclever danach nie wiedergesehen. In das Exemplar (das Buch erschien bei Propyläen), das er mir schickte, schrieb er: "Liebes Blandinchen, ich sende Dir dies Stück aus dem Sonnenland von Lavandou, wo wir bei Aperitifs unter dem Sternenhimmel saßen und am Tage Mimosen pflückten. Ich habe es Dir gewidmet, weil Du ein gutes Ziehkind warst und mir liebevoll geholfen hast. Nimm es hin von Deinem dankbaren, wenn auch manchmal untreuen Walter."
Sodann: erst vor wenigen Jahren hat der WDR als Hörspiel Hasenclevers Fragment "Der Froschkönig" produziert (Peter Hacks hatte es vervollständigt). Ein insofern besonders bemerkenswertes Stück (er hatte für mich die Rolle der Prinzessin vorgesehen), als es vor seiner Emigration, Ende der zwanziger Jahre entstanden war und schon die Grausamkeiten der späteren Nazigrößen genau persiflierte. Er wußte genau, was auf uns zukam und hat es sich in diesem Stück verschlüsselt von der Seele geschrieben. Es wirkt heute natürlich noch eindrucksvoller als damals, da niemand glauben wollte, was auf uns zukam. Das Hörspiel erschien mir persönlich als eine besonders gelungene Produktion, nicht zuletzt dank der Musik von Juan Allende-Blin.
Blandine Ebinger, Berlin-Dahlem