Ernst Busch
Ernst Busch in dem Film
»Eine von uns«

Abdruck mit frdl. Genehmigung von
Bildarchiv preußischer Kulturbesitz
aus: KünstlerKolonieKurier Nr.2

Ernst Busch

22.1.1900 - 8.6.1980, Schauspieler, Sänger, Regisseur
ehem. Bewohner der Künstlerkolonie in Berlin: Bonnerstraße 11

Hier ist unsere ausführliche Ernst-Busch-Seite

Kurzbiografie:
Ernst Busch lebte 1928-33 und 1945-53 in der Künstlerkolonie. Gelernter Maschinenbauschlosser und Werftarbeiter, 1918 Schauspiel- und Gesangsunterricht, 1920 Theaterengagement in Kiel. Nach ersten Erfolgen an Provinztheatern Auftritte 1927 bei Piscator an der Volksbühne, im »Kabarett der Komiker«, im »Larifari« von Rosa Valetti, in der »Katakombe« (Werner Finck), auf zahllosen Veranstaltungen der Kommunistischen Partei, politische Lieder auf unzähligen Schallplatten, vielen Filmen. Er wohnte zunächst in der Bonner Straße 10, dann Bonner Straße 11. Am 9.3.1933 war eine von vielen Razzien in der Künstlerkolonie. Da man annahm, daß Busch schon längst über alle Berge wäre, hat man nicht in seiner Wohnung nachgesucht. In Wirklichkeit hatte er aber nur verschlafen, flüchtete dann allerdings am nächsten Tag über Amsterdam in die Sowjetunion, 1936 im spanischen Bürgerkrieg, 1942 in Frankreich interniert, 1943 an Deutschland ausgeliefert und zum Tode verurteilt, dank der Fürsprache von Gustav Gründgens nicht hingerichtet, 1945 befreit und Rückkehr in die Künstlerkolonie, 1946 Hebbeltheater Berlin, ab 1950 im Brecht-Ensemble des Theaters am Schiffbauerdamm und am Deutschen Theater als Schauspieler und später auch als Regisseur, war einer der beliebtesten Schauspieler und Sänger der DDR, ohrfeigte 1961 Honnecker (parteiöffentlich, wie man hört wegen mangelnder demokratischer Einstellung) und wurde ‘kaltgestellt’, danach nur noch als Sänger tätig, viele Schallplatten und Tonaufnahmen, hohe Ehrungen.

Der berühmte Kritiker Herbert Ihering kommentierte anerkennend: »...er befreite den Volksgesang aus dem Gemüsekitsch, in dem er zu versinken drohte... Die rauhe, harte Stimme Ernst Buschs war keine Feiertagsstimme, sondern der Ausdruck des tätigen, kämpfenden Menschen, des Arbeiters.«
Die ausführliche Biografie und weitere Informationen finden Sie auf der Ernst-Busch-Seite: www.ernst-busch.com


Ernst Busch der »Barrikadentauber«

von Waltraud Thiel
aus
KünstlerKolonieKurier Nr. 2 (1989)
zur Fotoausstellung Ernst Busch
Ernst Busch als Galilei Galileo
Jochen Schneider als Andrea Sarti

Foto: Eva Kemlein (Künstlerkolonie)
Abdruck mit frdl. Genehmigung von
Bildarchiv preußischer Kulturbesitz

Viele Künstler, Schriftsteller, Publizisten, die damals Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre in der Künstlerkolonie wohnten, habe er gekannt, erzählt Georges Reymond (siehe Fußnote *), »aber mit Ernst Busch war ich befreundet«. Reymond schrieb damals für das Feuilleton der »Roten Fahne«. Von der Kommunistischen Partei wurde er gelegentlich als »Beilage serviert« zu Buschs Programm, wenn dieser auf Veranstaltungen seine Arbeiterlieder vortrug. An einen dieser Auftritte in der Hasenheide erinnert sich Georges Reymond genau. »Die Leute, die Berliner Arbeiter, waren begeistert und klatschten (...) immer noch eine Zugabe. Und als er zweie gesungen hatte und die noch immer weiterklatschten, ging er vor den Vorhang und streckte ihnen die Zunge heraus. Ernst, sagte ich, das kannst du nicht machen, das sind Proleten. Das kannst du machen, wenn du am Kurfürsten-damm auftrittst, aber nicht hier.« Busch besann sich, trat wieder auf die Bühne und entschuldigte sich.

Ernst Busch war zu diesem Zeitpunkt bereits ein gefragter Schauspieler und berühmter Sänger. 1900 als Sohn eines Maurers geboren, spürte er materielle Not früh am eigenen Leibe. Wenn der Vater im Winter regelmäßig arbeitslos wurde, mußte die Mutter die Familie mit Näharbeiten über Wasser halten. Vom politisch engagierten Vater lernte er, daß eine Verbesserung der sozialen Lage weder von Gott noch vom Kaiser zu erwarten sei, sondern nur aus eigener Kraft erreicht werden könne.

1915 begann Busch eine vierjährige Lehre als Maschinenschlosser und nahm nebenbei Schauspielunterricht. Arbeitslos geworden, wurde er 1921 - fast zufällig, als er einmal hinter die Kulissen des Kieler Stadttheaters blikken wollte - engagiert. Danach spielte er an verschiedenen Theatern, bis er 1927 nach Berlin kam. Erwin Piscator war gerade dabei, eine eigene Bühne aufzubauen. Busch sprach vor und wurde engagiert.

Auf den Piscator-Bühnen lernte Busch Hanns Eisler kennen, eine Begegnung, aus der sich eine lebenslange Freundschaft und Zusammenarbeit entwickelte. Seine Kompositionen und Buschs gesangliche Interpretation wurden zum Symbol der Arbeiterbewegung.

Neben seinen Auftritten als Sänger und den Engagements am Theater fand Busch auch noch Zeit, Filme zu spielen. Einer seiner letzten Filme vor der nationalsozialistischen Machtübernahme war »Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?«. Das Drehbuch stammte von Ernst Ottwald und Bertolt Brecht, Regie führte (der ebenfalls in der Künstlerkolonie wohnende) Slatan Dudow.

Anfang der dreißiger Jahre hatte Busch eine Wohnung in der Künstlerkolonie am Laubenheimer Platz bezogen (Bonner Straße 11). Im Laufe des Jahres 1932 besuchte ihn Georges Reymond dort einigemale. »Architektonisch schön«, fand er die Gebäude nicht, »eher zweckmäßig«. Allerdings, »die Lage war für damalige Verhältnisse außerordentlich schön. Es war ja noch eine ziemlich unberührte Ecke von Berlin, mit viel Grün.«

Eine Hausdurchsuchung der SA in der Künstlerkolonie Anfang März (9.3.33) verschlief Ernst Busch unbeschadet in seiner Wohnung in der Bonner Straße 11. Niemand glaubte daran, daß der Künstler sich noch in Berlin aufhalten könnte. Er reiste daraufhin aber noch am selben Tag ab.

Es folgten Stationen der Emigration: Holland, Belgien, Zürich, Paris, Wien und schließlich die Sowjetunion. 1937 ging Busch mit vielen Gleichgesinnten nach Spanien und schloß sich den Internationalen Brigaden an. Mit seinen Liedern kämpfte er gegen den Faschismus. Nach dem Sieg Francos kehrte Busch nach Belgien zurück. Zusammen mit vielen anderen deutschen Emigranten wurde er im Mai 1940, als die deutsche Wehrmacht in die Niederlande und Belgien einmarschierte, interniert. Bei einem Fluchtversuch wurde er an der Schweizer Grenze verhaftet, der Gestapo ausgeliefert und ins Berliner Gefängnis Moabit gebracht. Die Anklage gegen Busch lautete »Vorbereitung zum Hochverrat«. Es drohte ihm die Todesstrafe. Durch die Intervention von Gustav Gründgens erhielt er jedoch 1943 "nur" eine vierjährige Zuchthausstrafe.
Im April 1945 wurde er von der Sowjetischen Armee aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit und bezog wieder seine Wohnung in der Künstlerkolonie (Bonner Str. 11, danach Laubenheimer Platz 2). Er wurde für kurze Zeit zunächst Kulturstadrat in Wilmersdorf. Im Frühjahr 1946 trat er als Sänger wieder vor sein Publikum und nahm ein Theaterengagement an bei Erwin Piscator in der Volksbühne. 1951 verlegte er seinen Wohnsitz von Wilmersdorf nach Ostberlin. Bertolt Brecht holte ihn in sein ‘Berliner Ensemble’, wo er spielte und auch Regie führte. Mit der Darstellung des »Leben des Galilei Galileo« im Theater am Schiffbauerdamm (1957) war der Höhepunkt seiner künstlerischen Reife erreicht. Wegen zunehmender Krankheit sah er sich (nach 1960) gezwungen, die Bühne zu verlassen. So jedenfalls lautete die offizielle Version. Insider wissen jedoch, daß er sich erlaubt hatte, Erich Honnecker auf einer Parteisitzung zu ohrfeigen. Daraufhin wurde er mehr und mehr kaltgestellt und war nur noch auf Schallplatten zu hören. Seine Beliebtheit in Ost und West wurde dadurch jedoch nicht beeinträchtigt, eher im Gegenteil.

Seinen Traum, die Geschichte der demokratischen und Arbeiterlieder auf Schallplatte zu produzieren, konnte Busch vor seinem Tod im Jahr 1980 noch weitgehend verwirklichen. Die historische Reihe umfaßt Lieder von den Bauernkriegen bis hin zu Freiheitsliedern der zwanziger und dreißiger Jahre, thematisch zugeordnet sind Platten mit Liedern des Spanienkrieges, der Oktoberrevolution und des vaterländischen Krieges.
So alt wie das Jahrhundert, erlebte und gestaltete er alle Höhen und Tiefen der Arbeiterbewegung mit. Er hat etwas bewegt.


* Fußnote: Wir danken Georges Reymond für das uns gegebene Interview worauf dieser Artikel beruht. Georges Reymond emigrierte Ende April 1933 nach Frankreich. Er entkam nur knapp. Eine Stunde, nachdem er seine Wohnung verlassen hatte, wurde sie von der SA gestürmt und zertrümmert. 1957 kehrte er nach Berlin zurück. Er arbeitete für den RIAS und war von 1970 bis 1973 Angestellter der Bibliothek des Psychologischen Instituts an der Freien Universität Berlin. Anfang der sechziger Jahre hat er Ernst Busch in Berlin-Niederschönhausen noch einmal besucht. - Georges Reymond lebt in Berlin.

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