Ludwig Barnay - Foto im Privatarchiv Berlin Berliner Morgenpost vom 11.2.1992
Zum 150. Geburtstag von Ludwig Barnay

So mancher große Mime hat seinen ständigen Platz auf der Bühne der Zeiten. Auch der am 11. Februar 1842 in Budapest geborene Ludwig Barnay, Sohn eines Synagogenkantors, wird seine Bedeutung für das deutsche Theater behalten, allerdings weniger wegen seiner auch nicht unbedeutenden darstellerischen Fähigkeiten als vielmehr wegen seiner historischen Leistung für das Zustandekommen eines beruflichen Interessenverbandes der Schauspieler. Er war 1870 Mitbegründer der "Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger".

Barnay hatte in seinem Aufruf in der "Leipziger Theaterchronik" unter anderem geschrieben: "Juristen Ärzte, Maler, Architekten, Bäcker, Schuster und Schneider und Gott weiß was für Künste und Gewerbe tagen seit Jahren in Deutschland und genießen den Segen ihrer Assoziationsbestrebungen. Warum wollen wir Schauspieler denn gar nicht zur Erkenntnis unseres Standesbewußtseins gelangen, warum sollen wir nicht die Gelegenheit ergreifen ,uns auch einmal über unsere nächsten künstlerischen und materiellen Interessen auszusprechen?"

Die Natur hatte dem angehenden Schauspieler gute Voraussetzungen geschenkt: Glänzendes Aussehen, sicheres Auftreten, hervorragendes Sprechen und scharfen Verstand. Er war der wohl schönste Held und Virtuose auf der deutschen Bühne.

Bei allem Lob war der eine und andere herausragende Kritiker doch sehr unterschiedlicher Ansicht. So schrieb der Literaturhistoriker Otto Brahm am 16. April 1882 in der "Vossischen Zeitung" über Barnay: "Ein sonores Organ, einschmeichelnd und wohlgeschult, eine prächtige Gestalt und ein besonders im Profil eindrucksvoller Kopf, ein vornehmer, zuweilen königlicher Anstand."

Barnay war auch Mitbegründer des Deutschen Theaters in der Schumannstraße. Für den Theaterkritiker Siegfried Jacobsohn scheiterte Barnay aber "an seiner Eitelkeit, seiner Oberflächlichkeit, seinem Willen zum Effekt... Er hielt viel von der Wirkung und wenig von der Gestaltung".

Ludwig Barnay verfolgte voller Haß den begnadeten jüngeren Josef Kainz, so daß dieser sein Leben lange Zeit mit Tingelei fristen mußte. Man hatte ihn von den Bühnen verbannt. Der seinen Ruhm genießende Barnay äußerte einmal im Gespräch mit Henrik Ibsen Zweifel an den Erfolgsaussichten des dichterischen Werkes des Norwegers. Ibsen sah ihn lange an und sagte dann: "Ich habe Zeit."

Ludwig Barnay hat für die Stellung und das Ansehen des Schauspielers in der Öffentlichkeit viel getan. Er starb, knapp 82 Jahre alt, am 1. Februar 1924 in Hannover, wo er übrigens 1906 Leiter des Königlichen Schauspielhauses geworden war. Anm.d.R.: das ist falsch, es handelt sich natürlich um das Königliche Schauspielhaus in Berlin


Gehezu:
Biografie
Artikel aus der KünstlerKolonie Zeitung Nr.  1 von 1985
Ludwig Barnay - aus einem Schauspielerkatalog von 1906
Zum 150. Geburtag am 11.2.1992

Gehezu:
Kurzinfo | Bewohner der Künstlerkolonie | KünstlerKolonie
Kultur-Netz

Programmierung und Design: © Kultur-Netz-Service