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![]() Ludwig Barnay etwa anno 1906 |
Die Interessen der Arbeitgeber vertrat seit 1861 der "Deutsche Bühnenverein" die als Vereinigung aller Theaterdirektoren unter dem Vorsitz des Intendanten der Königlichen Schauspiele Botho von Hülsen. Es existierte aber kein Verband, der für die Rechte der Arbeitnehmer eingetreten wäre.
"Juristen, Ärzte, Maler, Architekten, Bäcker, Schuster und Schneider und Gott weiß was für Künste und Gewerbe tagen seit Jahren in Deutschland und genießen den Segen ihrer Assoziatonsbestrebungen. Warum wollen wir Schauspieler denn gar nicht zur Erkenntnis unseres Standesbewußtseins gelangen, warum sollen wir nicht die Gelegenheit ergreifen, uns auch einmal über unsere nächsten künstlerischen und materiellen Interessen aussprechen."
Der zitierte Artikel bezeichnet den Beginn der Geschichte der »Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger« als eines Verbandes, der in den Jahren der stärker und stärker sich entwickelnden Arbeiterbewegung die Gedanken und Anliegen der Väter der deutscher Schauspielkunst verwirklichte und der im Laufe der Zeit immer mehr zu einer sozialen Kampforganisation wurde.
Ludwig Barnay war im Jahre 1870 ein noch verhältnismäßig unbekannter Schauspieler am Stadttheater zu Frankfurt am Main. Damals, so bekannte er, bestimmte deshalb das Motto: "Wir sind nichts - was wir wollen, ist alles" seine Handlungsweise, er stand uneigennützig im Dienste der Sache, einer unter vielen Gleichgesinnten.
Nach seiner Tätigkeit als Direktor des Berliner Theaters lebte Ludwig Barnay in Wiesbaden. 1903 erschienen erstmalig seine "Erinnerungen" (aktuell: Henschel-Verlag Berlin 1953), von denen der Schauspieler Siegwart Friedmann mit Recht sagte, sie seien interessant, weil keiner eine so eingehende Charakterisierung über Barnay hätte schreiben können als Barnay selbst. Barnay wurde Geheimer Intendanz- und Hofrat, leitete seit 1906 das Königliche Schauspielhaus in Berlin und von 1908 bis 1912 das Hoftheater in Hannover. Dort ist er am 31. Januar 1924 gestorben.
Joachim Tenczhert in der 1. Zeitung der Künstlerkolonie 1985
Fotos und Zitate aus Ludwig Barnay's "Erinnerungen", Henschel Verlag, Berlin 1953