Berliner Tageblatt vom 30.04.1927
in der originalen Orthographie (Abschrift)

Vor dem Bau der Künstlerkolonie
Feierliche Grundsteinlegung
 
Auf dem Baugelände am Südwestkorso, zwischen Laubenheimer und Bonner Straße, versammelten sich gestern neben den Vertretern der deutschen Bühnenangehörigen und des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller Vertreter des Staates, der Stadt, um die Grundsteinlegung der Siedlung "Künstlerkolonie", über die wir bereits mehrfach berichtet haben, feierlich zu begehen. Präsident Rickelt von der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger begrüßte als Erster die Versammelten und wies in seiner Ansprache besonders auf den großen sozialen Wert hin, den in der Zukunft diese Siedlung den schaffenden Künstlern bringen soll. Ausgehend von dem Gedanken, daß das Heim des Künstlers mehr als allen anderen auch eine Burg der Sicherung sein muß, schloß er mit der Widmung, die auch der Grundstein auf seiner Frontseite trägt:
      Aus dem Nichts schafft Ihr das Wort,
      Und Ihr tragt's lebendig fort.
      Dieses Haus ist Euch geweiht
      Euch, Ihr Schöpfer unserer Zeit.
Anschließend folgte eine tapfere Rede von Walter v. Molos, der mutig aufräumte mit den romantischen Ansichten des braven Bürgers über den Schriftsteller. Dachstubenromantik und dekorative Propaganda in illustrierten Blättern sind falsch, beides zeigt die Exponenten der heutigen Arbeiter und täuscht üer die tatsächliche Lage des schaffenden Künstlers hinweg. Molo nannte diese Situation die „Lüge des Geldes“ und begrüßte aus diesem Grunde besonders das Erstehen einer Kolonie.

In den Grundstein selbst wurde eine Kapsel eingemauert, die Berliner Tageszeitungen, die Satzungen der Bühnengenossenschaft und des Schutzverbandes, eine Urkunde über die Gründung der Kolonie und ein Drei- Zwei- und Einmarkstück nebst einigen kleineren Münzen enthält.

 

Berichte von der Gründung der Künstlerkolonie finden Sie unter Gründung der Künstlerkolonie

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