Berliner Westen vom 23.03.1928
in der originalen Orthographie (Abschrift)
" Im Westen wird gebaut"
Schwabing am Laubenheimer Platz

Noch vor einem Jahr bot der Laubenheimer Platz einen trostlosen Anblick. Mauersteine häuften sich auf, Bretter wurden angefahren. An einem sonnigen Tage im Mai 1927 prangte dann dieser Bauplatz im Flaggenschmuck. An diesem Tage wurde der Grundstein für die Künstlerkolonie gelegt. Die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger und der Schutzverband Deutscher Schriftsteller hatte beschlossen, hier den Künstlerfamilien ein Heim zu schaffen. Die Architekten, Regierungsbaumeister E r n s t und G ü n t h e r  P a u l u s,  erhielten den Auftrag, diese Kolonie im modernsten Stile zu bauen, und sie haben ihre Aufgabe glänzend gelöst. Noch fehlen an einem Jahr noch beinahe zwei Monate, und schon erhebt sich am Laubenheimer Platz ein Baublock, von ziemlich 6000 Quadtratmeter Größe, fix und fertig zum Beziehen. Die Fronten ziehen sich an der Laubernheimer Straße, dem Südwestkorso und der Bonner Straße hin, während eine Öffnung zum Laubenheimer Platz Aussicht nach dieser Richtung gewährt. Ein großer langgestreckter Hof ist von Gartenanlagen umsäumt. Vor den Häusern sind Gartenterassen angelegt, sodaß dieser Block dem Platz einen einzigartigen Schmuck bietet. Macht dieser Bau schon nach außen hin einen wunderbaren Eindruck, so muß den Besucher beim Betreten des Hausflurs und der Wohnungen das Staunen ergreifen. Die 180 Wohnungen sind 21/2, 31/2 und 41/2 Zimmer groß. Mit Raum ist hier nicht gespart worden. Licht und Luft dringen überall hin. Die Fußböden sind meistenteils in Parkett gehalten. Die Ausstattungen der einzelnen Wohnungen zeigen allen neuzeitlichen Komfort. Hervorzuheben ist noch, daß auch 11 Atelierwohnungen vorhanden sind, nach denen unter Künstlern und Bildhauern eine rege Nachfrage besteht. Die Haustüren aus Eichenholz und die Treppenflure sind wahre Meisterwerke und zeugen vom künstlerischen Sinn der Erbauer.

Wie wir erfahren, soll die Einweihungsfeier dieser Künstlerkolonie bereits am 1. April stattfinden. Zu dieser Feier soll ein exclusives Festprogramm aufgestellt werden. Aus diesem Grunde haben sich die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger und der Schutzverband Deutscher Schriftsteller mit der Staatsoper in Verbindung gesetzt, um sich deren künstlerische Mitwirkung zu sichern. Vertreter von Staatsbehörden, sowie städtische höhere Beamte und die Spitzen von Kunst und Wissenschaft werden zu dieser Feier zu Gaste gebeten werden. Wie wir weiter mitteilen können, ist beabsichtigt, zusammen mit der Einweihungsfeier die Grundsteinlegung des zweiten Baublocks zu verbinden. Dieser Baublock soll den J u n g g e s e l l e  n unter den Künstlern vorbehalten bleiben und soll 186 Künstlern in Ein-, Eineinhalb-, Zwei- und Zweieinhalb-Zimmerwohnungen Unterkunft bieten. Auch diesen Bau werden die Architekten Ernst und Günther Paulus ausführen.

F. B.


Berichte von der Gründung der Künstlerkolonie finden Sie unter Gründung der Künstlerkolonie

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