Der Tagesspiegel Dezember 2007 WWW.RUNDUMSKARREE.DE
Veröffentlichung von Text und Foto mit freundlicher Genehmigung durch RUND UMS KARREE
Große Namen, günstige Mieten
Seit 20 Jahren erinnert ein Verein an die prominenten Bewohner der Künstlerkolonie
Von Katja Reimann
(nach einem Interview mit Holger Münzer)
Am Abend des 13. Dezember 1987 entkorkte Holger Münzer in seiner Wohnung in der Künstlerkolonie eine Flasche Rotwein, holte Gläser aus dem Schrank und stieß mit einer Handvoll Kollegen an. Soeben hatten sie einen Verein gegründet, eine Satzung beschlossen und einen Vorstand gewählt. Zum 20. Mal jährt sich jetzt die Gründung dieses gemeinnützigen Vereins KünstlerKolonie Berlin, und der erste Vorsitzende heißt seit Jahr und Tag Holger Münzer.
"Ich werde wohl Vorsitzender bleiben, solange ich lebe", scherzt der heute 68-jährige Schauspieler und Komponist. "In meine großen Fußstapfen traut sich einfach keiner zu treten." 60 Mitglieder zählt sein Verein zurzeit, 350 Kunstinteressierte werden regelmäßig zu Veranstaltungen eingeladen.
Den Verein hält Münzer noch immer für sehr wichtig. "Zur Erinnerung an die historische Künstlerkolonie, die 1927 gegründet wurde", erklärt er. Entstanden war die Siedlung zwischen Südwestkorso, Laubenheimer- und Schildhornstraße ursprünglich, um Künstlern gutes und günstiges Wohnen zu ermöglichen. In den vergangenen 70 Jahren wohnten dort unter anderem Ernst Busch, Max Frisch, Ernst Bloch, Alfred Katorowicz, Walter Hasenclever und Klaus Kinski. Aber nicht nur darum geht es Münzer. Ihm liegt vor allem die Erinnerung an den Widerstand der Künstler gegen das Naziregime am Herzen.
Kurz nach der Machtergreifung Hitlers kam es 1933 zu Razzien und Verhaftungen. Viele der Künstler flohen ins Ausland, doch einige Bewohner, wie zum Beispiel Beppo Römer und Alexander Graf Stenbock-Fermor, gründeten eine Widerstandsgruppe, verfassten antifaschistische Schriften. Der Verein verwaltet heute diese Quellen, ein Mahnmal am Ludwig-Barnay-Platz erinnert an die Verfolgten.
Auch für die Zukunft hat sich Holger Münzer viel vorgenommen. Gerade schreibt er an einem "Stadtteil-Lesebuch" mit dem Titel "KünstlerKolonie Berlin". Im kommunalen Coupé-Theater am Hohenzollerndamm 177 (Eingang Brienner Straße) spielt der Verein seit Jahren und wird dort weiterhin Aufführungen veranstalten. Am Mittwoch, dem 28. November, findet dort zum Beispiel um 20 Uhr der Wilmersdorfer Künstlerstammtisch statt, der Eintritt ist frei. Zudem soll die Zeitung "KünstierKolonieKurier" künftig in neuer Aufmachung erscheinen. Chefredakteur ist, na klar, Holger Münzer.
- Fax.: 821 29 55, Internetz: www.kuenstlerkolonie-berlin.de
Gehe zu:
Kurzinfo
| KünstlerKolonie | Kultur-Netz | Vorige Seite
Sie sind Besucher
Programmierung und Design: © Kultur-Netz-Service