Nach Genehmigung durch Holger Münzer veröffentlicht in der
Berliner Morgenpost, Donnerstag, 04. November 1999

Durchgangsweg wird jetzt nach Schauspieler Gustav Rickelt benannt

Namensgebung ohne Auswirkung auf Adressen

Von Carolin Brühl
Veröffentlichung mit freundlicher Gedehmigung durch die Autorin Carolin Brühl

Wilmersdorf. In der Künstlerkolonie wird am Montag, 22. November, ein neues Straßenschild aufgestellt. Ein Durchgang zwischen Kreuznacher Straße und Südwestkorso bekommt den Namen Gustav-Rickelt-Weg. Die Benennung wird aber keine Auswirkung auf die Adressen der angrenzenden Häuser Kreuznacher Straße 62 - 66 haben.

Wegen des neuen Weges war es im Vorfeld zu einem Konflikt im dreiköpfigen Mieterbeirat der Künstlerkolonie gekommen. Sprecherin Eva Meißner und Beirätin Karin Mumm hatten Holger Münzer, der außerdem noch Vorsitzender des Vereins «Künstlerkolonie Berlin» ist, vorgeworfen, die Bewohner nicht über das Vorhaben informiert zu haben. Münzer sieht dies anders.

Preiswerte Wohnungen für minderbemittelte Künstler

Als Vereinsvorsitzender habe er sich lediglich bereit erklärt, den Wunsch des Schauspielers Martin Rickelt (Onkel Franz aus der TV-Serie «Lindenstraße») zu unterstützen, einer Straße den Namen seines Vaters Gustav Rickelt zu geben. Als Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger war Gustav Rickelt Mitbegründer der Künstlerkolonie. 1927 legte er den Grundstein für die fast 700 Wohnungen zwischen Rüdesheimer und Breitenbachplatz, die vor allem weniger gut betuchten Künstlern und deren Familien preiswerte Unterkünfte bieten sollten. Während Ludwig Barnay (1842 - 1924), der Mitbegründer des Deutschen Theaters und Gründer der Bühnengenossenschaft, mit einem Platz geehrt und dem Charakterschauspieler Albert Steinrück (1872 - 1929) ein Weg auf dem Areal gewidmet wurde, erinnerte bis heute nichts an Gustav Rickelt.

Der ursprünglichen Forderung Martin Rickelts, die öffentliche Bonner Straße umzubenennen, stimmten weder Münzer noch Bezirksamt und Landesdenkmalamt zu. In einem Schreiben an Münzer vom 25. August erklärte das Denkmalamt allerdings, die Benennung eines «neu zu schaffenden Privatwegs» sei «vernünftig und plausibel». «Wir haben daraufhin beschlossen, daß ein Durchgang zwischen Kreuznacher Straße und Südwestkorso für diese Namensgebung in Frage käme», sagt Münzer. Auswirkungen auf die Adressen der Anlieger sollte dies aber nicht haben. Da also kein Mieter betroffen sei, habe er es auch nicht für nötig gehalten, den Mieterbeirat (dessen Mitglied er ist) in Kenntnis zu setzen.

Auch einen zweiten Vorwurf will Münzer nicht auf sich sitzen lassen. Er bestreitet, Geld von der Eigentümerin der Kolonie, der Essener Viterra AG, für ein Straßenumbenennungsfest erhalten zu haben. «Der Verein hat lediglich und bisher erstmalig eine Spende in Höhe von 5000 Mark für das jährlich stattfindende Steinrückfest bekommen», so Münzer. Eine Aussage, die von einem Brief der Viterra vom 1. September 1999 gestützt wird. Darin erklärt Unternehmenssprecher Peter Kummer: «Gerne greifen wir Ihre Anregung auf, zum Gelingen des Festes zum 70. Geburtstag der Künstlerkolonie beizutragen. Darum werden wir 5000 Mark (...) überweisen.» [im Brief ist keine Rede von einer Straßenumbenennung - Anm.d.R.]

Fest zum 70. Jahrestag der Kolonie geplant

Kummer zufolge hat die Viterra das Geld aber auch wegen der von Münzer in Aussicht gestellten Straßenbenennung an den Verein weitergeleitet. «Da weder das Fest, das Herr Münzer für den 16./17. Oktober ankündigte, noch eine Straßenneubenennung stattgefunden hat, haben wir Herrn Münzer jetzt schriftlich aufgefordert, das Geld wieder an uns zurückzuleiten», so Kummer. [dieses stimmt nicht, die Viterra hat das Geld nie zurückgefordert, das Straßenfest zum 70. Geburtstag der Künstlerkolonie fand vereinbarungsgemäß statt am 17. Juni 2000 mit freundlicher Unterstützung durch die Viterra mit DM 5.000.- Anm.d.R.]

«Die ,Künstlerkolonie Berlin e.V.' wollte das Fest ja an jenem Wochenende feiern», erklärt indes der Künstlervereinsvorsitzende, doch die Viterra als Eigentümerin des Areals habe die Genehmigung nicht rechtzeitig erteilt. Für das Jahr 2000 plane der Verein aber dennoch erneut das Fest zum 70. Jahrestag der Fertigstellung (1930) der Künstlerkolonie.


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