Am Sonnabend mittag fand für die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger und den Schutzverband Deutscher Schriftsteller eine wichtige Einweihungsfereir statt: die Grundsteinlegung der ersten Berliner Künstler-Kolonie, ganz weit draußen im Südwesten der Stadt auf dem vorläufig erst auf dem Papier der Architekten stehenden Laubenheimer Platz.
Es hat sehr lange gedauert und viele Mühe gekostet, bis man so weit war, bis nach endlosen Vorverhandlungen gestern endlich der Grundstein gelegt werden konnte. Der Plan der Architekten Ernst und Günther Paulus ist sehr großzügig. Er sieht zwei Häuserblocks vor, in denen sich je 134 Zwei-, Drei- und Vier- (hier offensichtlich ein Druckfehler - Anm.d.R)
Häuserblocks liegt der Laubenheimer Platz, der von den beiden Architekten als Spiel- und Sportwiese für die Bewohner die Künstler-Kolonie zurecht gemacht wird. Es werden dort erstehen: Tennisplätze, ein großes Planschbecken, eine Liegewiese, schließlich Wandelgänge mit Rosen; mit allem Komfort ausgestattet, damit die Schauspieler und Schriftsteller im Sommer hier arbeiten können.
Außerdem hat jeder Block in der Mitte anstatt eines Hofes eine große Gartenanlage, so daß die Kolonie ganz im Grünen liegen wird. Die Architekten hoffen, daß die Gebäude schon Anfang des nächsten Jahres bezogen werden können.
Der Grund und Boden sowie die Wohnungen sind Eigentum der Genossenschaft und des Schutzverbandes. Beide wählen auch die Kollegen aus, die in der Künstler-Kolonie wohnen sollen. Die Mieten sollen so niedrig als nur möglich gehalten werden, auf jeden Fall weitaus billiger als die sehr hohen Neubau-Mieten.
*
Der Eröffnungsfeier wohnten zahlreiche Persönlichkeiten des offiziellen Berlins sowie viele Mitglieder der Genossenschaft und des Schutzverbandes bei. Der Festplatz war sehr hübsch von den Fahnen der Republik und der Stadt Berlin umrahmt. Als erster sprach der Präsident der Deutschen Bühnengenossenschaft
Gustav Rickelt. Nach ihm ergriff Walter von Molo für die Schriftsteller das Wort. Sehr temperamentvoll erklärte er, es sei endlich an der Zeit, daß für die deutschen Schriftsteller etwas geschehe, um die sich die Oeffentlichkeit am wenigsten von allen Künstlern bekümmere. Sodann verlas Präsident Wallauer die Stiftungsurkunde, die in den ersten Grundstein des Hauses der Kolonie gelegt wurde. Es folgten die üblichen drei Hammerschläge, die Vertreter der Stadt, der Künstler, des Bühnenvereins und der Polzei, für die der Vizepolizeipräsident Dr. Weiß erschienen war, sagten ihren Glückwunschspruch.
*
Das war die Einweihung der ersten Berliner Künstler-Kolonie. Vivant sequentes. Es gibt ja auch noch Maler, Architekten, Musiker.
L